Wilfried Stroh:
         Lehrveranstaltungen


 
 

Wintersemester 2016/17


Vorlesung: De Latinarum litterarum historia
1-std., Mo 14-15 Uhr c.t.
Beginn: 17.10.2016, Ende: 06.02.2017
Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum M003
 
Uno semestri iuvat totam Latinarum litterarum historiam percensere, inde ab eo tempore quo Fauni vatesque, ut ait Ennius, in Latii silvis Saturnio versu rustico cecinerunt usque ad aetatem Christianam, qua Hieronymus et Augustinus divina scripta ediderunt. Breviter autem attingemus etiam medium aevum, quo poesis rhythmica nata est, et tempora recentiora, quibus Romana eloquentia iterum effloruit. Sed maximam operam, ut par est, dabis scriptoribus poetisque qui libera re publica Romana et aetate Augusta floruerunt, id est Ciceroni, Vergilio, Horatio, Ovidio.
Ut autem melius intelligatis, quae dicturus sum, ad singulas scholas more iam solito singulas schedas sive chartas distribuam, quae summam rerum tractandarum contineant.
Venite igitur et discite, de litteris Latinis Latine audire quam utile ac dulce sit!
 
Reinhart Herzog / Peter Lebrecht Schmidt (ed.), Handbuch der lateinischen Literatur der Antike, vol. 1 (ed. Werner Suerbaum), Monachii 2002; vol. 4 (ed. Klaus Sallmann), 1997; vol. 5 (ed. Reinhart Herzog), 1989
Michael von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, 2 uol., Monachii et al. (1992) 32012
Wilfried Stroh, Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache, Berolini 2007
Jürgen Leonhardt, Latein: Geschichte einer Weltsprache, Monachii 2009

 

Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Urania victrix (Bücher IV und V: Gustus und Tactus)
2-std., Mo 18-20 Uhr
Beginn: Beginn: 17.10.2016, Ende: 06.02.2017
Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum M003
 
Jacobus Balde (1604-1668), in seiner Zeit der weltweit berühmteste deutsche Dichter, hatte sich seinen Namen vor allem durch die lyrischen Werke verdient, die ihn mit München verbinden. Im Alter kehrte er zu dem längst gehegten Plan zurück, ein großes elegisches Werk nach dem Vorbild von Ovids Heroidencorpus zu schaffen. So entstand die Urania victrix, ein zugleich erotischer und christlicher Briefroman (erschienen 1663): Urania, die christliche Seele, wird mit stürmischen Liebesbriefen bedrängt von den fünf Sinnen (Sensus), die sie, als Vertreter der "Welt", jeweils verführen und möglichst heiraten wollen. Sie werden unterstützt von verschiedenen Assistenten, die den jeweiligen Sinn in Aktion setzen, so etwa der Gesichtssinn, Visus, von einem Maler, das Gehör, Auditus, von einem Musiker. Aber alle werden sie von Urania, die nur ihren himmlischen Bräutigam im Kopf hat, mit recht schnippischen Briefen abgeschmettert.
Im kommenden Semester werden wir uns mit den beiden niedrigsten Sinnen, dem Geschmack, Gustus, und dem Tastsinn, Tactus, befassen und dabei, weil diese viehischen Sinne (bruti sensus) weder sprechen noch schreiben können, mit so erfolgreichen Zeitgenossen wie dem königlichen Jägermeister Scarabaza, dem Palastkoch Rumpoldus, dem Wirt der Welt-Kneipe Cosmus, und schließlich dem teuflischen General und Schürzenjäger Aruncus Bekanntschaft machen. Hier gibt es viel zu lernen, nicht nur an Küchen- und Verführungsrezepten. Denn ausgehend von den fünf Sinnen gelang es Balde, ein amüsantes Panorama der Kultur seines ganzen Jahrhunderts zu gestalten. Und er bedient sich dabei der schlicht eingängigen Sprache Ovids.
Unser Balde-Colloquium gibt seit nun schon über 30 Jahren jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und attraktive Literatur kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.
 
Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 8, 1-240 (dort 99 ff.)
Jakob Balde SJ: Urania Victrix - Die Siegreiche Urania. Liber I-II, hg., übers u. komm. von Lutz Claren u.a., Tübingen 2003
Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (Ndr. 1998)
Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004
Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006
Jost Eickmeyer, Der jesuitische Heroidenbrief: Zur Christianisierung und Kontextualisierung einer antiken Gattung in der frühen Neuzeit, Berlin / Boston 2012
Digitalisat der Erstausgabe (1663): http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald6/te05.html, http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald6/te06.html
Sonstige Ausgaben und Sekundärliteratur sind zu erschließen über http://stroh.userweb.mwn.de/main7.html


 
 

Sommersemester 2016


Colloquium Latinum: De Ciceronis oratione pro Ligario habita
1-std., Mo 14-15 Uhr c.t.
Beginn: 11.4.2016, Ende: 11.7.2016
Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum M003
 
Das Colloquium Latinum, das ich seit über 30 Jahren anbiete, soll durch Hören und Sprechen einen natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache eröffnen, die, wenn man sie bloß liest oder gar "konstruiert" und allenfalls ein wenig schreibt, nur ungenügend erfasst werden kann. Gerade die großen Zeiten der lateinischen Philologie waren solche auch des Lateinsprechens. Inzwischen gilt München mit seinen (dank Professor Janka) zwei lateinsprachigen Veranstaltungen pro Semester international als ein kleines Mekka des lebendigen Latein, ein Ruf, den wir gerne weiter ausbauen wollen. - Im Übrigen wird hier niemand zum Reden gezwungen. Neben den Studierenden der Latinistik, vor allem also den zukünftigen Lateinlehrern (die hier besonders profitieren können), waren und sind immer auch andere Teilnehmer erwünscht.
Inter Ciceronis orationes peritorum omnium iudicio egregia vi et calliditate eminet ea qua apud Caesarem dictatorem Ligarium ipsius iudicis inimicum notissimum defendit. Atque Caesar ipse traditur ante actionem pessime iudicavisse de illo reo, ut quem hominem improbum esse omnes scirent, tum quasi iocando addidisse: "Sed quid vetat audire post longum intervallum veterem amicum nostrum Ciceronem?" Is autem sine metu cum vehementer de bello civili diceret ipsamque pugnam Pharsalicam in memoriam reuocaret, tum Caesar ipse, ut perhibent, tantopere commotus est, ut color in ore eius mutaretur, tum etiam stilus et tabellae de manu caderent. Quis crederet? Ligarius crimine liberatus est. Legite igitur mecum hanc orationem, quam Plutarchus iudicavit et affectibus variam et venustate admirabilem, uno verbo optimam fuisse. Venite quam plurimi!
 
Albertus C. Clark (ed.): M. Tulli Ciceronis orationes, vol. 2, Oxonii 21918
Karl Halm / Georg Laubmann (ed., comm.): Cicero, Ausgewählte Reden, vol. 5, Berolini 101899
Marion Giebel (ed., transt.): Cicero, Drei Reden vor Caesar, lat.-germ., Stutgardiae (Reclam) 1999
Klaus Bringmann: "Der Diktator Caesar als Richter? Zu Ciceros Reden 'Pro Ligario' und 'Pro rege Deiotaro'", Hermes 114, 1986, 72-88

 

Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Urania victrix (Bücher III und IV)
2-std., Mo 18-20 Uhr c.t.
Beginn: 11.4.2016, Ende: 11.7.2016
Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum M003
 
Jacobus Balde (1604-1668), in seiner Zeit der weltweit berühmteste deutsche Dichter, hatte sich seinen Namen vor allem durch die lyrischen Werke verdient, die ihn mit München verbinden. Danach warf er sich auf die Satirendichtung, die ihm wahrscheinlich den Namen des Deutschen Horaz einbrachte, und kehrte schließlich im Alter zu dem längst gehegten Plan zurück, ein großes elegisches Werk nach dem Vorbild von Ovids Heroidencorpus zu schaffen. So entstand die Urania victrix, ein zugleich erotischer und christlicher Briefroman (erschienen 1663): Urania, die christliche Seele, wird mit stürmischen Liebesbriefen bedrängt von den fünf Sinnen, die sie jeweils verführen und möglichst heiraten wollen. Sie werden unterstützt von verschiedenen Assistenten, die den jeweiligen Sinn in Aktion setzen, so etwa der Gesichtssinn, Visus, von einem Maler, das Gehör, Auditus, von einem Musiker. Aber alle werden sie von Urania, die nur ihren himmlischen Bräutigam im Kopf hat, mit recht schnippischen Briefen abgeschmettert.
Im kommenden Semester werden wir uns mit den wissenschaftlich weniger behandelten niedrigen Sinnen, Geruch, Odoratus und Geschmack, Gustus, befassen und dabei mit so interessanten Zeitgenossen wie dem Apotheker Sasafras, dem Kosmetiker Battalianus, dem Jägermeister Scarabaza und dem Hofkoch Rumpoldus Bekanntschaft machen. Hier gibt es viel zu lernen. Denn ausgehend von den fünf Sinnen gelang es Balde, ein amüsantes Panorama der Kultur seines ganzen Jahrhunderts zu gestalten. Und er bedient sich dabei der schlicht eingängigen Sprache Ovids.
Unser Balde-Colloquium gibt seit nun schon über 30 Jahren jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und attraktive Literatur kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.

Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 8, 1-240 (dort 99 ff.)
Jakob Balde SJ: Urania Victrix - Die Siegreiche Urania. Liber I-II, hg., übers u. komm. von Lutz Claren u.a., Tübingen 2003
Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (Ndr. 1998)
Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004
Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006
Jost Eickmeyer, Der jesuitische Heroidenbrief: Zur Christianisierung und Kontextualisierung einer antiken Gattung in der frühen Neuzeit, Berlin / Boston 2012
Digitalisat der Erstausgabe (1663): http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald6/te04.html, http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald6/te05.html
Sonstige Ausgaben und Sekundärliteratur sind zu erschließen über http://stroh.userweb.mwn.de/main7.html


 
 

Wintersemester 2015/16


De arte rhetorica – secundum Quintiliani Institutionem oratoriam
1-std., Mo 14-15 Uhr c.t.
Beginn: 12.10.2015, Ende: 01.02.2016
Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum M003
 
Praecepta artis rhetoricae cognita habere omnibus necesse est, qui de litteris Latinis iudicare vel ipsi fortasse orationes publicas habere in animo habent. Illa autem nemo umquam melius dilucidiusve explicavit quam M. Fabius Quintilianus, qui Hispanus origine Romae adulescentes docebat, cum mira dulcedine Latini sermonis praeditus esset. Fuerit sane sagacior illo Aristoteles, rerum publicarum peritior Cicero, tamen nemo eorum, qui antea aut postea fuerunt, tam in usum commoda oratoribus ministravit. Quare non iniuria Fridericus II rex Borussorum statuit: "Praeter Quintilianum nemo legatur: is unus habet omnia." Dico ipse expertus: Multis, qui in labyrintho rhetoricarum artium paene desperantes errare solent, Quintilianus certissimum filum Ariadnae dabit, ut a Minotauri timore tuti evadant.

Hi libri commendantur:
M.F. Quintiliani Institutionis oratoriae libri XII, ed. M. Winterbottom, Oxonii 1970
M.F. Quintilianus: Ausbildung des Redners, ed. et transtulit H. Rahn, Darmstadii 1972, 21988
M. Fuhrmann: Einführung in die antike Rhetorik, Monachii / Turici 1984 (et saepius)
W. Stroh: Die Macht der Rede, Berolini 2009 (et saepius), impr. 427-449
R. Volkmann: Die Rhetorik der Griechen und Römer, Stutgardiae 21885 (iter. 1963)

 
Die Tonmitschnitte der einzelnen Vorlesungsstunden sind als mp3-Dateien abrufbar.

 

Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, De eclipsi solari (1662)
2-std., Mo 18-20 Uhr
Beginn: Beginn: 12.10.2015, Ende: 01.02.2016
Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum M003
 
Jacobus Balde (1604-1668), in seinem Jahrhundert der weltweit berühmteste deutsche Dichter, hatte sich seinen Namen vor allem durch die lyrischen Werke verdient, die ihn mit München verbinden. Danach aber warf er sich auf die Satirendichtung, weil diese Gattung, in der sich "auf dem Parnass am üppigsten schmausen" lasse, dem Herbst des Lebens angemessen sei. Schon durch den Umfang seiner Werke übertrifft er hier die römischen Klassiker; und anders als sie fügt er bisweilen den Gedichten Prosabücher hinzu. So auch in De eclipsi solari, einem heute weniger bekannten Werk, das es zu erschließen gilt.
Für die Sonnenfinsternis im Jahr 1654 hatten prominente Astrologen finstere Orakel verbreitet: Der Tag werde pechschwarz sein, die Türken das römische Reich erobern, der Jüngste Tag vor der Tür stehen ... Astrologiemuffel Balde, ein aufgeklärter Jesuit, damals Stadtpfarrer in Amberg, beobachtet spöttisch mit dem "satirischen Fernrohr" (tubo satyrico) die Sonne und die "an der Sonnenfinsternis fiebernde Stadt" (Civitatem eclipticè laborantem) – bis die "Komödie des Phoebus" so harmlos wie erwartet zu Ende ist. Damit es aber nicht nur etwas zu lachen, sondern auch nachzudenken gibt, schickt Balde dem Gedicht einen in Art Ciceros verfassten philosophischen Dialog voraus, indem er gegen einen versierten Astrologen klug seine (auch theologisch fundierte) Meinung verficht.
Unser Balde-Colloquium gibt seit nun schon 35 Jahren jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und höchst amüsante Literatur zu kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.
Für den B.A.-Studiengang Latinistik und Lehramtsstudiengang Latein besteht die Möglichkeit, am Ende des Semesters eine Prüfung (Klausur) für die Vertiefungslektüre Lateinische Literatur (P 14.2) abzulegen; für Master-Kandidaten bietet sich das Thema auch als "Freie Lektüre" an.

Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 4, 127–298
Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (Ndr. 1998)
Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004
Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006
Digitalisat der Erstausgabe (1662): http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald10/te01.html
Sonstige Ausgaben und Sekundärliteratur sind zu erschließen über http://stroh.userweb.mwn.de/main7.html


 
 

Sommersemester 2015


Colloquium Latinum: De Quintiliani Institutionis oratoriae libro I
1-std., Mo 14-15 Uhr c.t.
Beginn: 13.4.2015, Ende: 13.7.2015
 
Das Colloquium Latinum, das ich nun schon seit über 30 Jahren anbiete, soll durch Hören und Sprechen einen natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache eröffnen, die, wenn man sie bloß liest oder gar "konstruiert", nur ungenügend erfasst werden kann. Gerade die großen Zeiten der Latinistik waren immer auch Hochzeiten des Lateinsprechens, der viva vox, von der Quintilian sagt, sie gebe dem Geist erst die "Vollwertkost" (viva vox alit plenius, inst. 2,2,8). Inzwischen gilt ja München mit seinen (dank Professor Janka) zwei lateinsprachigen Veranstaltungen pro Semester international als ein (auch von auswärtigen Pilgern oft aufgesuchtes) Mekka der Lateinsprecher, ein Ruf, den wir gerne weiter ausbauen wollen. - Im Übrigen wird hier niemand zum Reden gezwungen. Neben den Studierenden der Latinistik, vor allem also den zukünftigen Lateinlehrern (die hier besonders profitieren können), waren und sind immer auch andere Teilnehmer, iuniores et seniores, erwünscht.
Quem igitur potius legamus quam Quintilianum? Qui quamquam in Hispania semibarbara natus est, tam bene Latine didicit, ut paene Ciceronem ipsum superaret et ab imperatore Vespasiano publice salarium acciperet. Is igitur Instutioni suae Oratoriae, operi mirabili, unum librum praefixit, quo diligentissime explicavit, quomodo pueri puellaeque inde a prima aetate erudiendi essent, ut postea ad plenam eloquentiam institui possent. Hoc libro diligentissime scripto de multis quaestionibus disputatur, quae nos quoque movent: sitne utile verberari pueros necne, num eos singulos doceri praestet an una cum aliis, qui scriptores poetaeve primi legendi sint ad sermonem moresque conformandos et alia. Hinc igitur discimus, quae ratio educandi apud Romanos valuerit, hinc etiam cognoscimus elementa grammaticae Latinae, quae Quintiliano paene tam cara fuerunt quam praecepta rhetoricae.
Venite, legite mecum magistrum praeclarum: gaudebitis.


Hi libri commendantur:
M.F. Quintiliani Institutionis oratoriae libri XII, ed. M. Winterbottom, t. 1, Oxonii 1970
M.F. Quintilianus: Ausbildung des Redners, ed. et transtulit H. Rahn, t. 1, Darmstadii 1972, 21988
M.F. Quintiliani Institutionis oratoriae lib. I, ed. et enarravit F.H. Colson, Cantabrigiae 1924
Quintilians Grammatik ("Inst. orat." 1,4-8), ed., transtulit, enarravit Wolfram Ax, Berolini & al. 2011

 

Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Iacobus Balde, Liber epodon (10-21)
2-std., Mo 18-20 Uhr
Beginn: 13.4.2015, Ende: 13.7.2015
 
Zusammen mit seinen Lyrica, die ihn zum berühmtesten Dichter Deutschlands in seinem Jahrhundert machten, veröffentlichte Jacobus Balde S.J., damals Hofhistoriograph in München, 1643 auch einen Liber Epodon in den Horaz entsprechenden, vorwiegend jambischen Vermaßen. Dass der zur jambischen Gattung gehörige Charakter einer scheltenden Vergeltung dem christlichen, auf Nächstenliebe verpflichteten Dichter nicht ganz angemessen ist, weiß er wohl. Das hält ihn aber nicht davon ab, dem Zeitgeist gemäß flammende Invektiven gegen "islamistische" Türken (epod. 1) und, religiös motiviert, auch Juden (14) zu verfassen. Ebenso zeitgebunden, aber amüsanter zu lesen ist eine Attacke auf Frauen und Ehe (12). Die nicht invektivischen Gedichte geben eine Palette von Themen religiöser und weltlicher Art: Balde befasst sich z. B. mit indischen Yogis bzw. Gymnosophistae (18), gibt schaurige Rezepte zum Schlankwerden in seinem real existierenden Münchner Magerkeitsclub (19) und erlebt an der Isar in einer telepathischen Vision (15) das Marienbild im Freisinger Dom, den er, wie die meisten Münchner, noch nie besucht hat. Wie fast stets bei Balde vermischen sich ernstes Anliegen und geistreicher Spaß, so dass wir als Leser ein Bild nicht nur der Zeit, sondern auch eines höchst originellen Genies erhalten. Obwohl die Epoden erst von Nr. 10 an behandelt werden sollen, ist für Abwechslung gesorgt.
Unser Colloquium gibt jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und höchst amüsante Literatur zu kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.

Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 1,261-308
Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (Ndr. 1998)
Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und Horaz, Tübingen 2002 (Beiträge zu epod. 1; 14; 16)
Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004
Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006
Ulrich Winter (ed.), I. Balde: Liber Epodon, 2002
Digitalisat der Erstausgabe: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10608718.html
Ausgabe von 1645: http://books.google.de/books?id=i2ATAAAAQAAJ&source=gbs_navlinks_s
Sammelausgabe von 1660: http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald1/te05.html
Kurzer Kommentar in: P. Müller O.S.B. (ed.), Balde: Carmina Lyrica, 1884 (http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10608720_00609.html).
Sonstige Teilausgaben und Sekundärliteratur sind zu erschließen über http://stroh.userweb.mwn.de/main7.html, dort A.12 und B.182a-185b.


 
 

Wintersemester 2014/15


Vorlesung (in lateinischer Sprache): De Romanorum studiis philosophicis
1-stündig, Mo 14-15 Uhr c.t.
Beginn: 6.10.2014, Ende: 26.1.2015
 
Graecorum philosophiam Romani sero, sed serio amplexi sunt. Ac primus quidem Ennius Annalibus suis nonnulla e Pythagoreorum disciplina admiscuit; tum Varro in Saturis Menippeis nunc magna e parte deperditis multa ex intima philosophia hausisse traditur. Maxime autem haec studia a Cicerone Academico aucta sunt, qui et dialogis ad imitationem Platonis factis et aliis scriptis plurimis paene cunctas philosophiae partes ita explicavit, ut is nunc omnis philosophiae hellenisticae q.d. fons praecipuus habeatur. Contra Lucretius Epicureus, qui eodem fere tempore scripsit, sat habuit rerum naturam, i.e. physicam siue philosophiam naturalem, carmine didactico pertexere - sed quanto animi ardore! Postea Seneca disciplinam Stoicam paene totam - nam unam logicam minus curavisse videtur - scriptis suis mira facundia illustravit. De his igitur scriptoribus praecipue agendum erit; nec tamen Apuleium Platonicum Christianosque philosophos, inter quos Lactantius Cicero Christianus et aureus Augustinus eminent, negligemus. - Ad singulas scholas chartulae, quae dictorum summaria continent, distribuentur.
Venite auresque et animos attendite!
 
Hi libri commendantur: H. Ritter / L. Preller, Historia philosophiae Graeco-Romanae, Hamburgi 1838; Giovanna Garbarino, Roma e la filosofia greca dalle origini alla fine del II secolo A.C., 2 vol., Augustae Taurinorum 1973; H. Flashar (ed.), Die Philosophie der Antike, vol. 4: Die hellenistische Philosophie, Basileae 1994 (ubi Gawlick et Goerler de Cicerone, Erler de Lucretio); Fr. Ricken (ed.), Philosophen der Antike II, Stutgardiae & al. 1996; M. Griffin / J. Barnes (edd.), Philosophia togata, Oxonii 1989; J. Barnes / M. Griffin (edd.), Philosophia togata II, Oxonii 1997; B. Inwood, Reading Seneca: Stoic philosophy at Rome, Oxford 2005; Jula Wildberger / Marcia L. Colish (ed.), Seneca philosophus, Berolini 2014.
 
Die Tonmitschnitte der einzelnen Vorlesungsstunden sind als mp3-Dateien abrufbar.
 

Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Iacobus Balde: Crisis (Fragmenta Satyrae Crisis inscriptae)
Mo 18-20 Uhr
Beginn: 6.10.2014, Ende: 26.1.2015
 
Jacobus Balde, dank seinem lyrischen Werk (1643-1648) schon damals berühmtester deutscher Dichter, warf sich, nachdem er dem Bannkreis des Kurfürsten entkommen war, auf das Satirenschreiben, das ihm bald ähnlichen Erfolg bescherte und ihm endgültig den Titel eines Horatius Germanorum sicherte. Aber die ersten Werke, in denen er die zeitgenössische Medizin und das Tabakrauchen verspottete, riefen auch Kritikaster auf den Plan, die alles Mögliche an ihm auszusetzen fanden - von seinem Aussehen angefangen bis zu seinem Gebrauch der "oskischen" d.h. altlateinischen Sprache. Mit ihnen rechnet er ab in der Satire Crisis (1657), in der er es freilich meist offen lässt, ob die Tadler nicht am Ende doch recht haben: ein Musterstück zweideutigen Humors, also ein echter Balde.
Diese Satire, wohl das persönlichste aller seiner Werke, wurde von ihm selbst, vielleicht aus eben diesem Grunde, nicht veröffentlicht, sondern erschien erst in der Gesamtausgabe seiner Werke von 1729. Die dort gegebene Überschrift "Fragmenta Satyrae Crisis inscriptae" weist auf eine Besonderheit hin: Wenn Balde mit romantischer Schalkhaftigkeit viele Verse unvollständig lässt oder als fehlend markiert, so nicht, weil das Werk fragmentarisch oder unvollendet wäre (wie Vergils Aeneis), sondern weil angeblich die von den Kritikastern kolportierten Gerüchte nur unvollständig zu ihm gelangt seien.
Unser Colloquium gibt jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und höchst amüsante Literatur zu kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.
 
Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 4, 513-547; Digitalisat unter http://www.uni-mannheim.de/mateo/camautor/balde.html (dort: Crisis in se ipsum); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Einzige Spezialliteratur zu Crisis: François Heim: "Un autoportrait humoristique ou un écho à des attaques personelles?", in: Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und die römische Satire - Balde et la satire romaine, Tübingen 2005, 231-243.
Gesamtbibliographie zu Balde: http://stroh.userweb.mwn.de/balde-bib.html.


 

Sommersemester 2014


Colloquium Latinum: De Horati Epodis
1-stündig, Mo 14-15 Uhr c.t., Hauptgebäude M003
Beginn: 7.4.2014, Ende: 7.7.2014
 
Das Colloquium Latinum, das ich seit über 30 Jahren anbiete, soll durch Hören und Sprechen einen natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache eröffnen, die, wenn man sie bloß liest oder gar nur "konstruiert" und allenfalls ein wenig schreibt, nur ungenügend erfasst werden kann. Gerade die großen Zeiten der lateinischen Philologie (in Renaissance und Neuhumanismus) waren immer auch Hochzeiten des Lateinsprechens. Inzwischen gilt auch München mit seinen (dank Professor Janka) zwei lateinsprachigen Veranstaltungen pro Semester international als ein kleines Mekka der Latine loquentes, ein Ruf, den wir gerne weiter ausbauen wollen. - Im Übrigen wird hier niemand zum Reden gezwungen. Neben den Studierenden der Latinistik, vor allem also den zukünftigen Lateinlehrern (die hier besonders profitieren können), waren und sind immer auch andere Teilnehmer erwünscht.
 
Horati Epodos esse inter cimelia artis lyricae siue iambicae nemo negauerit. "Parios ego primus iambos ostendi Latio", ille iure gloriatus est, "numeros animosque secutus Archilochi", quem Graeci quasi secundum poeticae artis conditorem post Homerum celebrabant. Nam ut Homerus laudibus suos heroes heroico uersu extulerit, sic Archilochum dicunt omnia metro iambico uituperauisse et onerauisse opprobriis. Horatius autem conuiciis suis etiam alia admiscet: amorem Maecenatis, Octauiani quoque, erotica et iocosa non pauca. Pleraque sunt plena facetiarum, omnia Latinitatem puram et festiuam exhibent.
Venite, sodales, et mecum indulgete Musae iambicae!

 
E commentariis utilis manet A. Kiessling / R. Heinze, Horaz: Oden und Epoden, 71930 (saepissime iterum typis excusus, etiam cum additamentis E. Burck); non spernendus A. Cavarzere, Orazio: Il libro degli Epodi, 1992; amplitudine omnia uincit L.C. Watson, A Commentary on Horace's Odes, 2003.


Neulateinisches Kolloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Iacobus Balde: Liber epodon
Mo 18-20 Uhr, Hauptgebäude, B011 (Adalberthalle)
Beginn 7.4.2014, Ende: 7.7.2014
 
Zusammen mit seinen Lyrica, die ihn zum berühmtesten Dichter Deutschlands in seinem Jahrhundert machten, veröffentlichte Jacobus Balde S.J., damals Hofhistoriograph in München, 1643 auch einen Liber Epodon in den Horaz entsprechenden, vorwiegend jambischen Vermaßen. Dass der zur jambischen Gattung gehörige Charakter einer scheltenden Vergeltung dem christlichen, auf Nächstenliebe verpflichteten Dichter nicht ganz angemessen ist, weiß er wohl und diskutiert es im zweiten von 21 Gedichten. Das hält ihn aber nicht davon ab, schon in der ersten Epode eine flammende Invektive gegen die "islamistischen" Türken zu starten. Auch anderes muss uns in vielleicht toleranteren Zeiten befremden, wie besonders die Schilderung eines von Juden angeblich verübten Ritualmords (14); aber selbst an solchen verstörenden Zeitzeugnissen dürfen wir als Freunde eines großen Lateinpoeten nicht vorbei gehen. Etwa die warmen Gedichte, die er, als Pilger zusammen mit Kurfürst Maximilian, der Lieben Frau von Altötting widmet, müssen auch jeden Nichtmarianer erfreuen. Keiner hat die Beschäftigung mit Balde bereut.
 
Literatur:
Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 1,261-308
Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998)
Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004
Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006
Armin Grundke, Untersuchungen zu Jacob Baldes Epodendichtung, Magisterarbeit München 1987 masch. (vorhanden im Inst. f. Klass. Philologie München; epod. 1-10: Übersetzung und Kommentar)
Ulrich Winter (ed.), I. Balde: Liber Epodon, 2002
Digitalisat der Erstausgabe: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10608718.html
Ausgabe von 1645: http://books.google.de/books?id=i2ATAAAAQAAJ&source=gbs_navlinks_s
Sammelausgabe von 1660: http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald1/te05.html
Kurzer Kommentar in: P. Müller O.S.B. (ed.), Balde: Carmina Lyrica, 1884 (http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10608720_00609.html).
Sonstige Teilausgaben und Sekundärliteratur sind zu erschließen über http://www.lrz.de/~stroh/main7.html, dort A.12 und B.182a-185b.


 

Wintersemester 2013/14


Vorlesung (in lateinischer Sprache): De Graecorum Romanorumque poesi amatoria
1-stündig, Mo 14-15 Uhr, HGB, Geschwister-Scholl-Pl. 1, M 001
Beginn: 14.10.2013, Ende: 3.2.2014

Iam inter Homeri deos Olympicos Aphrodite sive Venus versatur, quae et cupiditatis amatoriae et pulchritudinis vel venustatis dea est. Huic mox accedit quasi famulus Eros sive Amor (vel Cupido) filius primum ephebus, postea puer, paene infans. Qui ideo pro puero habetur, quod homines de sana mente deturbat eosque quasi pueriles reddit. Ut enim Venus ad corpus et voluptatem magis spectat, sic Amor ad animos, quos sagittis facibusque vulnerat. In cultu tamen caerimoniisque neque apud Graecos neque apud Romanos ille multum valet, prae Venere matre paene neglegitur. Eo certe et mores et litterae antiquae omnes valde differunt a recentibus eisque Christianis, quod res amatoriae Venereaeque semper cum religione et dis immortalibus coniunctae sunt. Quare Fridericus Nietzsche malitiose dixit: „Christiana religio venenum malum praebuit Amori, unde numquam recreari potuit.“ Nos autem litteras praesertim poetarum omnes percensebimus inde ab Homero Sapphoque usque ad Ouidium et Senecam tragicum.
 
Die Tonmitschnitte der einzelnen Vorlesungsstunden sind als mp3-Dateien abrufbar.

 

Neulateinisches Kolloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener und Dr. Matthias Witt): Jacobus Balde, Medicinae gloria
2-stündig, Mo 18-20 Uhr c.t., HGB, Geschwister-Scholl-Pl. 1, M 003
Beginn: 14.10.2013, Ende: 3.2.2014

Wenn seine Zeitgenossen den Lateiner Jacobus Balde (1604-1668) nicht nur als damals bekanntesten Dichter Deutschlands, sondern geradezu als "Teutschen Horaz" feierten, bezog sich dies keineswegs nur auf dessen lyrisches Werk, für das er heute vor allem berühmt ist. Nachdem er nämlich am Hof von Maximilian I. in München seine Oden und Silven, "zum Applaus der Welt", wie er sagt, vollendet hatte, warf er sich auf die Satirendichtung, die, meinte er, dem "Herbst des Lebens" noch angemessener sei. Und so entstand als erstes Werk dieser für ihn neuen Gattung die Satirensammlung Medicinae gloria (1651). Anders nämlich als Horaz, Persius und Juvenal ordnete Balde seine Satiren zu thematisch zusammenhängenden Zyklen. In unserem Fall geht es um allerlei Auswüchse der zeitgenössischen Medizin bzw. Quacksalberei, die der brustschwache (und den Ärzten persönlich immer dankbare) Balde durch seinen satirischen Kakao zieht – nicht ohne seriöse Ausflüge in die philosophische Anthropologie. Das alles ist nicht nur höchst amüsant, sondern auch für die Geschichte der Medizin und des Arztberufes lehrreich. Aus diesem Grund kann unser mit dem Mediziner und Altphilologen Dr. Witt veranstaltetes Colloquium zugleich als medizinhistorisches Seminar besucht werden. An dieser Stelle aber wollen wir vor allem junge Latinisten, auch der ersten Semester, dazu ermuntern, sich mit dem faszinierenden Dichter Balde zu befassen und sich damit auch ein dankbares Arbeitsgebiet zu erschließen. Jeder ist willkommen, keiner wird zum Übersetzen genötigt.
 

Sommersemester 2013


Colloquium Latinum: De Ovidi Remediis amoris
1-stündig, Mo 14-15 Uhr c.t., HGB, Geschw.-Scholl-Pl. 1, M 003
Beginn: 15.04.2013, Ende: 15.07.2013

Das Colloquium Latinum, das ich seit 30 Jahren in jedem Sommersemester anbiete, soll durch Hören und Sprechen einen natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache eröffnen, die, wenn man sie bloß liest und allenfalls schreibt, nur ungenügend erfasst werden kann. Gerade die großen Zeiten der lateinischen Philologie (in Renaissance und Neuhumanismus) waren immer auch Hochzeiten des Lateinsprechens. - Im Übrigen wird niemand zum Lateinreden gezwungen; man darf sogar den eigenen Namen auf Deutsch sagen, um sich dann, nachdem dieser latinisiert ist, mit einem Tacere malo aus der Affäre zu ziehen. Neben den Studierenden der Latinistik waren und sind immer auch andere Teilnehmer erwünscht.

Ovidii carmen de Remediis amoris compositum utilissimum esse nemo negaverit. Nam qui dolores, eheu, nos magis tangunt (siue, ut ait Catullus, excruciant) quam ei qui e perfidia aut odio puellae puerique amati veniunt? In Orco se cum Tantalo et Ixione uexari malle dixit Propertius quam talia pati! Quare etiam philosophi ut Cicero in IV libro Tusculanarum disputationum praecepta excogitauerunt, quibus homines se amoris vinculis liberare possint. Sed hos omnes Ovidius poeta et amator maximus copia doctrinae superat quam sibi e longo usu comparavit. Nam qui totiens amavit eum saepe amorem deposuisse facile suspiceris. Quare etiam eos ad colloquia voco qui nunc quidem feliciter amare se credunt. Nimirum futura semper incerta sunt: proderit aliqua monita utilia in promptu habere quibus minus laeto tempore utaris.
Sed utcumque haec sunt: Venite plurimi!

E.J. Kenney (ed.): P. Ovidi Nasonis Amores, med., ars, rem., Oxonii (1961) 1995; Paola Pinotti (ed., comm.): P. Ovidio Nasone Remedia amoris, Bononiae 1988
 

Neulateinisches Kolloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener und Dr. Matthias Witt): Jacobus Balde, Medicinae gloria
2-stündig, Mo 18-20 Uhr c.t., HGB, Geschw.-Scholl-Pl. 1, M 003
Beginn: 15.04.2013, Ende: 15.07.2013

Wenn seine Zeitgenossen den Lateiner Jacobus Balde (1604-1668) nicht nur als damals bekanntesten Dichter Deutschlands, sondern geradezu als "Teutschen Horaz" feierten, bezog sich dies keineswegs nur auf dessen lyrisches Werk, für das er heute vor allem berühmt ist. Nachdem er nämlich am Hof von Maximilian I. in München seine Oden und Silven, "zum Applaus der Welt", wie er sagt, vollendet hatte, warf er sich auf die Satirendichtung, die, meinte er, dem "Herbst des Lebens" noch angemessener sei. Und so entstand als erstes Werk dieser für ihn neuen Gattung die Satirensammlung Medicinae gloria (1651). Anders nämlich als Horaz, Persius und Juvenal ordnete Balde seine Satiren zu thematisch zusammenhängenden Zyklen. In unserem Fall geht es um allerlei Auswüchse der zeitgenössischen Medizin bzw. Quacksalberei, die der brustschwache (und den Ärzten persönlich immer dankbare) Balde durch seinen satirischen Kakao zieht – nicht ohne seriöse Ausflüge in die philosophische Anthropologie.
Das alles ist nicht nur höchst amüsant, sondern auch für die Geschichte der Medizin und des Arztberufes lehrreich. Aus diesem Grund kann unser diesmal mit dem Mediziner und Altphilologen Dr. Witt veranstaltetes Colloquium zugleich als medizinhistorisches Seminar besucht werden. An dieser Stelle aber wollen wir vor allem junge Latinisten, auch der ersten Semester, dazu ermuntern, sich mit dem faszinierenden Dichter Balde zu befassen und sich damit auch ein dankbares Arbeitsgebiet zu erschließen. Jeder ist willkommen, keiner wird zum Übersetzen genötigt.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 4, 367-437; Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Artur Hermann Scheunert, Arzt, Krankheit und Kurpfuscherei in den Medizinischen Satiren von Jacobus Balde S. J. (1604 -1668), Diss. Freiburg i.Br. 1966 (masch.); Carl Joachim Classen, "Barocke Zeitkritik in antikem Gewande. Bemerkungen zu den medizinischen Satiren des 'Teutschen Horatius' Jacob Balde S. J.", Daphnis 5, 1976, 67-125; Hermann Wiegand, "Ad vestras, medici, supplex prosternitur aras: Zu Jakob Baldes Medizinersatiren", in: Udo Benzenhöfer / Wilhelm Kühlmann (Hg.), Heilkunde und Krankheitserfahrung in der frühen Neuzeit, Tübingen 1992, 247-269; Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und die römische Satire, Tübingen 2005 (mit mehreren Beiträgen zu Medicinae gloria); Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006.
(Freie) Übersetzung: J.B. Neubig, J. Balde’s medizinische Satyren, 2 Bde., München 1833
Digitalisat der Erstausgabe (München 1651): http://diglib.hab.de/drucke/xb-6273/start.htm; im Rahmen der Sammelausgabe von 1660: http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald3/te02.html.
Ausführliche Bibliographie zu Balde: http://www.lrz.de/~stroh/main7.html.
 
 
 

Wintersemester 2012/13


Vorlesung (in lateinischer Sprache): De Senecae tragoediis
1st., Mo 14-15 Uhr, Amalienstr. 52 (K), 401, Beginn: 15.10.2012

De tragoediis Aeschyli Sophoclis Euripidis quis non audivit? Pleni sunt earum laudibus libri, resonant theatra, cinematea quoque Oedipodes Medeasque Graecas libenter receperunt. Paucioribus autem notum est etiam Romanos suum habuisse poetam tragicum, qui splendore verborum, robore sententiarum, affectuum vi atque adeo violentia Graecis par, si non superior sit, L. Annaeum Senecam. Cui detrectant quidam quod sermone tumido ac declamatorio minus scaenae quam rhetorum scholis aptus sit. Quos ego scholis meis refutare conabor, cum omnes tragoedias ferme eo ordine, quo scripta videntur, quamquam id non certissimum est, enarrabo. Demonstrabo etiam has fabulas tragicas cum doctrina philosophorum ita cohaerere, ut non quidem praecepta aliqua moralia prae se ferant, sed tamen fundamento quodam Stoico nixa videantur.
Venite igitur et, quoniam spectare non licet, audite saltem Senecam scaenicum!

E libris recentioribus:
George W. M. Harrison (ed.): Seneca in performance, Londini 2000; Wilfried Stroh: "Staging Seneca [...]". In: John G. Fitch (ed.), Seneca, Oxonii 2008, 195-215; Claudia Wiener: Stoische Doktrin in römischer Belletristik, Monachii / Lipsiae 2006; Christoph Kugelmeier: Die innere Vergegenwärtigung des Bühnenspiels in Senecas Tragödien, Monachii 2007.

 
Die Tonmitschnitte der einzelnen Vorlesungsstunden sind als mp3-Dateien abrufbar.

 

Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Solatium podagricorum (1661)
2st., Mo 18-20 Uhr, Raum M 003, Beginn: 15.10.2012

Die Gicht, Podagra, vulgo Zipperlein, noch heute eine Volkskrankheit, war es wohl noch mehr im Barockzeitalter: Im reich tafelnden Augsburg will Jacobus Balde, berühmtester deutscher Dichter seiner Zeit, besonders viele Leidende angetroffen haben. Ihnen und anderen zum seelischen Beistand schrieb er seinen "Trost der Podagriker", eine Satire bzw. ein Paradoxenkomion, in dem die Podagra unter anderem als eine zärtlich liebende, ihren Ehegemahl nie verlassende Gattin gewürdigt wird, erst in Prosa (denn die Gichtbrüchigen können nicht auf dem Pegasus reiten), dann aber in schönen Hexametern. Das Werk, in dem sich philosophischer Ernst und satirischer Aberwitz immer wieder überraschend vermengen, war ein Riesenerfolg und wurde sogleich auch auf Deutsch bearbeitet.
Unsere Baldeübungen haben in den letzten Semestern wieder erfreulichen Zuspruch gehabt, und wir hoffen, dass sich das fortsetzt. Obwohl wir mit dem Solatium podagricorum schon im Wintersemester begonnen haben, sind Neuzugänge auch von jüngeren Semestern höchlichst willkommen. Wir versprechen ihnen viel Vergnügen mit einem Meistersatiriker.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 4, 1-125; Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und die römische Satire, Tübingen 2005; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006.
Übersetzungen: J. L. Faber, Die gesunde Kranckheit, Nürnberg 1677; J. B. Neubig, Trost für Podagraisten, in: J. Balde's medizinische Satyren, München 1833; Bd. 2 (Anhang); F. Claus (= M. Jäger), Das Zipperlein oder Trost für Podagraisten, Zweibrücken 1906.
Digitalisate der Erstausgabe (München 1661) unter http://www.lrz.de/~stroh/balde_rep.html#25.
Ausführliche Bibliographie: http://www.lrz.de/~stroh/balde-bib.html.



Sommersemester 2012


Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Solatium podagricorum (1661)
2st., Mo 18-20 Uhr, Raum M 003, Beginn: 16.4.2012

Jacobus Balde (1604-1668), seinerzeit Deutschlands europaweit berühmtester Dichter, ist heute fast nur noch einer kleinen Schar Literaturkundiger bekannt. Woran liegt das? Nicht daran, dass er uninspiriert oder langweilig wäre, durchaus nicht, sondern nur daran, dass er Latein geschrieben hat und zwar ein recht kunstvolles Latein. Eine Herausforderung also für uns Latinisten! Seit 30 Jahren bemühen wir uns hier in München, sein kaum überschaubares Werk Stück für Stück zu erschließen: eine reizvolle Aufgabe auch gerade für Studenten, ja sogar Studienfänger, die die Möglichkeit haben, hochrangige Literatur frischweg vom Text, ohne gelehrten Sekundärballast, zu studieren.
Die Gicht, Podagra, vulgo Zipperlein, noch heute eine Volkskrankheit, war es wohl noch mehr im Barockzeitalter: Im reich tafelnden Augsburg will Balde besonders viele Leidende angetroffen haben. Ihnen und anderen zum seelischen Beistand schrieb er seinen "Trost der Podagriker", eine Satire bzw. ein Paradoxenkomion, in dem die Podagra unter anderem als eine zärtlich liebende, ihren Ehegemahl nie verlassende Gattin gewürdigt wird, erst in Prosa (denn die Gichtbrüchigen können nicht auf dem Pegasus reiten), dann aber in schönen Hexametern. Das Werk war ein Riesenerfolg und wurde sogleich auch auf Deutsch bearbeitet.
Unsere Baldeübungen haben in den letzten Semestern wieder erfreulichen Zuspruch gehabt, und wir hoffen, dass sich das fortsetzt. Man hilft sich wechselseitig aus, niemand wird zum Übersetzen genötigt - und fast immer gibt es viel zu knobeln und zu lachen. Texte werden bereitgestellt. Besonders auch Mediziner wären willkommen.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Bd. 4, 1-125; Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und die römische Satire, Tübingen 2005; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Übersetzungen: J. L. Faber, Die gesunde Kranckheit, Nürnberg 1677; J. B. Neubig, Trost für Podagraisten, in: J. Balde's medizinische Satyren, München 1833; Bd. 2 (Anhang); F. Claus (= M. Jäger), Das Zipperlein oder Trost für Podagraisten, Zweibrücken 1906.
Digitalisat der Erstausgabe (München 1661): http://www.uni-mannheim.de/mateo/camautor/balde.html.
Ausführliche Bibliographie: http://www.lrz.de/~stroh/balde-bib.html.

 

Colloquium Latinum: De Senecae Troade (vulgo Troadibus)
1 st., Mo 14-15 Uhr, Raum M 003, Beginn: 16.4.2012

Wie in den vergangenen Semestern soll das Colloquium Latinum einen natürlichen Zugang zu einer Sprache eröffnen, die oft nur als eine geschriebene und gelesene (oder gar nicht) erlebt wird. Gerade die Behandlung einer Tragödie, in der Menschen zum Sprechen, ja zum leidenschaftlichen Sprechen gebracht werden, ist dafür geeignet. Neben den Studierenden der Latinistik waren und sind immer auch andre Teilnehmer erwünscht. Niemand wird zum Reden gezwungen, für alle Patzer gilt Luthers Regel: Pecca fortiter.

In nulla fere tragoedia antiqua feminarum partes tot tantaeque sunt quam in hac Troade Senecae (quae tamen ab urbe, non a Troadibus nomen accepit). Et quam diversae sunt earum personae! Hecuba vetula iacturam tot liberorum misere deplorat; Andromache Hectoris fortissimi vidua in Astyanacte filio spem ultoris mariti sui frustra educat. Helena frivola a suis Troianis iterum desciscere Graecosque olim cives adiuvare cogitur; Polyxena virgo denique crudelissima morte tamquam sponsa Achillis mortui in ipso sepulchro mactatur. Quae tamen exemplo suo docet etiam puellas mortem fortiter contemnere posse. - Non iniuria haec fabula actionum plenissima a doctissimo quoque "regina tragoediarum" vocata est.

Sed quid disputo? Venite, legite, audite, garrite!



Wintersemester 2011/12


Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Regnum poetarum (1628)
2st., Mo 18-20 Uhr, Raum M 003, Beginn: 17.10.2011

Der junge Jesuit Jakob Balde, der zwei Jahrzehnte später Deutschlands berühmtester Dichter werden sollte, hatte im Winter 1627/1628 die sog. Humanitätsklasse des heutigen Münchener Wilhelmsgymnasiums zu betreuen. Um vor der Schulöffentlichkeit seine und seiner Zöglinge Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, ließ er einige der Schüler in der Rolle von zwölf verschiedenen altrömischen Dichtern auftreten, vom alten Plautus bis zum Spätlateiner Claudian. Jeder hatte dabei in seinem jeweiligen Versmaß und Stil ein Stück aus dem damals knappe zehn Jahre alten Dreißigjährigen Krieg, zu behandeln: Horaz besingt Kaiser Ferdinand in lyrischer Preisode, der Epiker Vergil würdigt Kurfürst Maximilian, als Feldherrn vor Prag usw.
Dieses Kabinettstück der Parodie ist bisher nur in seinen Hexameterteilen veröffentlicht worden (in der Gesamtausgabe von 1729, Bd. 3); als Ganzes liegt es vor in einer leider fehlerhaften Handschrift der Bayerischen Staatsbibliothek (Clm 27271/3, fol. 86r-111v, als Digitalisat jetzt zugänglich: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00047858/images/), die dringend der Durcharbeitung bedarf. Unser Colloquium soll der Vorbereitung einer kritischen Edition dienen. Behandelt werden im kommenden Semester voraussichtlich die Dichter Statius, Claudian und Juvenal, außerdem die in derselben Art nach Ovids Metamorphosen stilisierte Philippica in Mansfeldium. Zur Teilnahme sind nicht nur fortgeschrittene Studenten aufgerufen, sondern gerade auch Studienanfänger: Sie waren auch bisher schon im Balde-Colloquium mit Erfolg dabei. Das Werk bietet die Gelegenheit, sowohl Deutschlands größten Lateiner kennen zu lernen als auch sich mit den Eigentümlichkeiten prominenter römischer Dichter vertraut zu machen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden rechtzeitig vor Beginn des Semesters zugänglich gemacht.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Peter L. Schmidt: "Balde und Claudian: Funktionsgeschichtliche Rezeption und poetische Modernität", in: ders., Traditio Latinitatis: Studien zur Rezeption und Überlieferung der lateinischen Literatur, Stuttgart 2000, 356-372 [Teiledition]; Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004, dort S. 59-119: "Seneca in Prag. Ein tragisches Exercitium des jungen Jakob Balde S.J." [Teiledition]; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Ausführliche Bibliographie: www.lrz.de/~stroh/balde-bib.html.
 

Vorlesung (in lateinischer Sprache): De arte poetica
1st., Mo 14-15 Uhr, Raum E 216, Beginn: 17.10.2011

Die Vorlesungen, die ich in lateinischer Sprache regelmäßig abhalte, sollen sowohl der Verlebendigung des Lateinlernens durch einen auditiven Zugang dienen – angestrebt ist eine ebenso einfache wie doch stilistisch korrekte Ausdrucksweise – als auch einen (von Studenten oft vermissten) Überblick über Hauptgebiete der antiken Literatur bieten. Nach Vorlesungen über römische Literaturgeschichte, Rhetorik und Phonetik (die z.T. auch im Internet zugänglich sind, s. unten) folgt nun in "De arte poetica" eine Gesamtdarstellung der antiken Dichtungstheorie, vor allem in Bezug auf die Hauptgattungen. Wie bisher soll ein Handout von je einer Seite den Inhalt einer Vorlesungsstunde zusammenfassen und damit dem leichteren Verständnis des Vorgetragenen dienen.
De arte poetica non solum Aristoteles Horatiusque scripserunt, sed etiam poetae inde ab Homero et Hesiodo in carminibus ipsis multa professi sunt. Quorum testimonia colligemus adhibitis etiam grammaticis Latinis, qui multa utilia addiderunt. Sic omnium litterarum veterum quasi imago quaedam adumbrabitur. Venite et audite!

Hos libros commendo: W. Kroll, Studien zum Verständnis der römischen Literatur, Stutgardiae 1924 (iter. 1964); D.A. Russell / M. Winterbottom (ed.): Ancient literary criticism, Oxonii 1972; M. Fuhrmann, Einführung in die antike Dichtungstheorie, Darmstadii 1973 (et saepius); N. Rudd (ed.): Horace, Epistles Book II and Epistle to the Pisones, Cantabrigiae 1989; H. Flashar, "Aristoteles", in: H. Flashar (ed.), Die Philosophie der Antike, vol. 3, Basileae 2004, 167-492, v. impr. 317-324, 433-438.
Scholae priores his sedibus interretialibus inveniuntur:
http://www.lrz.de/~stroh/scholae/vl_eloquentia_wise08-09/eloquentia.html (De eloquentiae Graecae et Romanae historia)
http://www.lrz.de/~stroh/scholae/vl_litteraelatinae_wise09-10/litteraelatinae.html (De historia litterarum Latinarum)



Sommersemester 2011


Neulateinisches Colloquium (mit Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Regnum poetarum (1628)
2st., Mo 18-20 Uhr, Beginn: 2.5.2011

Der junge Jesuit Jakob Balde, der zwei Jahrzehnte später Deutschlands berühmtester Dichter werden sollte, hatte im Winter 1627/1628 die sog Humanitätsklasse des heutigen Münchener Wilhelmsgymnasiums zu betreuen. Um vor der Schulöffentlichkeit seine und seiner Zöglinge Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, ließ er einige der Schüler in der Rolle (und vielleicht im Kostüm) von zwölf verschiedenen altrömischen Dichtern auftreten, vom alten Plautus bis zum Spätlateiner Claudian. Jeder hatte dabei in seinem jeweiligen Versmaß und Stil ein Stück aus dem „Böhmischen Krieg“, d.h. dem damals gerade erst knappe zehn Jahre alten Dreißigjährigen Krieg, zu behandeln: Horaz besingt Kaiser Ferdinand in lyrischer Preisode, der Epiker Vergil würdigt den Landesherrn, Kurfürst Maximilian, als Feldherrn vor Prag, Ovid jammert als verjagter Winterkönig in einer Heroidenepistel über sein Leid auch als verliebter Ehemann usw.
Dieses Kabinettstück der Parodie, zu dem schon damals nur wenige Latinisten fähig gewesen sein dürften, ist bisher nur in seinen Hexameterteilen veröffentlicht worden (in der Gesamtausgabe von 1729, Bd. 3); als Ganzes liegt es vor in einer leider fehlerhaften Handschrift der Bayerischen Staatsbibliothek (Clm 27271/3, fol. 86r-111v, als Digitalisat jetzt zugänglich: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00047858/images/), die dringend der Durcharbeitung bedarf. Unser Colloquium soll der Vorbereitung einer kritischen Edition dienen.
Zur Teilnahme sind nicht nur fortgeschrittene Studenten aufgerufen, sondern gerade auch Studienanfänger. Das Werk bietet eine einzigartige Gelegenheit, sowohl Deutschlands größten Lateiner kennen zu lernen als auch sich mit den Eigentümlichkeiten der prominentesten römischen Dichter vertraut zu machen. Im Übrigen sollte das Colloquium auch für Historiker interessant sein. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden rechtzeitig vor Beginn des Sommersemesters zugänglich gemacht.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Peter L. Schmidt: „Balde und Claudian: Funktionsgeschichtliche Rezeption und poetische Modernität“, in: ders., Traditio Latinitatis: Studien zur Rezeption und Überlieferung der lateinischen Literatur, Stuttgart 2000, 356-372 [Teiledition]; Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004, dort S. 59-119: „Seneca in Prag. Ein tragisches Exercitium des jungen Jakob Balde S.J.“ [Teiledition]; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Ausführliche Bibliographie: www.lrz.de/~stroh/balde-bib.html.


Colloquium Latinum: De arte metrica
1 st., Mo 14-15 Uhr, Beginn: 2.5.2011

Wenige Themen bieten sich so an für eine Behandlung in lateinischer Sprache wie gerade die Metrik. Hier gilt es ja nicht nur zu verstehen, sondern auch mitzumachen: im Verserezitieren, gelegentlich auch im Versedrechseln. Wie stets wird aber auch in diesem Semester niemand zum Reden genötigt; auch diejenigen sind willkommen, die durch bloßes Zuhören einen neuen, lebendigen Zugang zur lateinischen Sprache suchen, wie er durch bloßes Lesen und Übersetzen nicht vermittelt werden kann.
Pauca de prosodia disputabimus, quoniam eas quaestiones iam in scholis semestris hiemalis tractaui. Statim aggrediemur ad hexametros et legendos et componendos, deinde more usitato ad elegos modosque lyricos Horati ueniemus; finem faciemus in uersibus iambicis et trochaicis Senecae et comicorum, quoniam ei difficiliores putantur. Sed nil difficile ei, quem semel suauitas carminum Latinorum permulsit.
Venite!

Libri: F. Crusius / H. Rubenbauer, Römische Metrik: eine Einführung, ²1955 (1984); J.W. Halporn / M. Ostwald, Lateinische Metrik, ²1980; S. Boldrini, Prosodie und Metrik der Römer, 1999; H.-J. Glücklich, Compendium zur lateinischen Metrik, 2007; W. Stroh, Proben lateinischer Verskunst (2 CD cum libello), ²2007 (comparantur per http://www.antike-zum-begreifen.de); Idem, De uersibus recte recitandis, 2008 (pdf).
 


Wintersemester 2010/11

Scholae Latinae (Vorlesung in lateinischer Sprache): De linguae Latinae pronuntiatione
Mo 14-15 Uhr, 1 st., Beginn: 18.10.10

Nihil tam iucundum, tam utile esse credo quam de Latinis dicere et audire Latine. Quare iam praeteritis semestribus hiemalibus tales scholas Latinas habui, quarum primus ordo sedulorum quorundam scholarium cura etiam in interreti audiri potest, hac sede:
http://www.lrz.de/~stroh/scholae/vl_eloquentia_wise08-09/eloquentia.html
Secunda series, si di uoluerint, mox sequetur. [nunc hac sede inuenienda: www.lrz.de/~stroh/scholae/vl_litteraelatinae_wise09-10/litteraelatinae.html]
Hoc semestri autem de omni genere pronuntiationis agemus, quae in gymnasiis plerisque turpiter neglegitur. Incipiemus autem a singulis litteris tam scriptis quam enuntiatis, deinde transibimus ad accentus et syllabas (in quibus uis numerorum inest), tum de uerbis et uerborum coniunctione disputabimus, denique periodos et uersus siue carmina tractabimus – in uniuersum tantum, nam singulos uersus exponere metricae institutionis est.
Venite plurimi auresque et animos attendite!

Die Tonmitschnitte der einzelnen Vorlesungsstunden sind als mp3-Dateien abrufbar.

Neulateinisches Colloquium: Jacobus Balde, Antagathyrsus (Apologie der Fettleibigen)
Mo 18-20 Uhr, 2 st., Beginn: 18.10.10

Nur wenige wissen, dass Jacobus Balde, zu seiner Zeit Deutschlands berühmtester Dichter, ein Vorläufer des erst im neunzehnten Jahrhundert ausbrechenden Schlankheitskults gewesen ist. Sein Münchener Magerkeitsverein (Congregatio Macilentorum), dem vornehmste Bürger angehörten, veranstaltete Schlankheitskuren; ja Balde, der selbst spindeldürr war, plante im Scherz sogar die Gründung eines ausschließlich der Bauchreduktion gewidmeten religiösen Magerkeitsordens. Die ideologische Grundlage lieferte das Lied Agathyrsus (1638), ein Schmähgedicht auf die Fettwänste, das auch in mehreren Variationen ins Deutsche übersetzt wurde (Agathyrsus Teutsch, 1647).
Noch weniger Literaturkenner aber wissen, dass Balde als gelernter Rhetoriker sich besonders auch auf die Kunst des in utramque partem disserere (des Pro und Contra Argumentierens) verstand, d.h. in diesem Fall, dass er dem Agathyrsus in einem späteren Gedicht eine Verteidigung der Dickbäuche folgen ließ, den Antagathyrus (1658). Mit dieser kaum bekannten, aber höchst originellen Hexameter-Satire wollen wir uns im kommenden Semester befassen.
Eingeladen sind alle (auch besonders Studienanfänger), die Lust haben, Dichtung weltliterarischen Niveaus auf eigene Faust, ohne viel Sekundärliteratur zu studieren. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit zur Verfügung gestellt (vorläufig bei CAMENA: http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald3/te04.html).
Dicke wie Dünne sind willkommen.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort: Antagathyrsus in Bd. 4,299-366; Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004, dort S. 209-240: "Iß dich schlank mit Pater Balde"; Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre (Hg.), Balde und die römische Satire, Tübingen 2005; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Ausführliche Bibliographie: http://www.lrz.de/~stroh/main7.html.


Sommersemester 2010

Neulateinisches Colloquium: Jacobus Balde, Drama Georgicum (1647)
2-st., Mo 18-20 Uhr, Geschw.-Scholl-Pl. 1, Raum M 003, Beginn: 19.4.2010

Jakob Balde S.J. (1604-1668) war in seinem Jahrhundert der europaweit bekannteste Dichter Deutschlands. Dass er trotz seiner unbestrittenen Genialität und unerhörten Fruchtbarkeit  heute nur noch wenigen bekannt ist, liegt nur daran, dass er lateinisch geschrieben hat. Immerhin ist seit einigen Jahrzehnten eine internationale Fangemeinde damit befasst, diesen Dichter wieder zu erschließen. In München, Baldes zweiter Heimat, versuchen wir hier seit fast dreißig Jahren kräftig mitzumischen.
Das Drama Georgicum ist eine eigenartige Mischung aus Geniestreich und Auftragsarbeit. Noch vor Ende des Dreißigjährigen Kriegs, 1647, hatte der bayerische Kurfürst Maximilian I., einen Waffenstillstand mit Frankreich geschlossen, um seinem Land das Schlimmste zu ersparen. Da erging an Balde von französischer Seite der Wunsch, er möge doch dieses (nicht überall gern gesehene) Übereinkommen in seiner Weise publizistisch unterstützen. So schrieb Balde ein dreiaktiges „Bauerndrama“, in dem Ulmer Bauern, von Merkur informiert, den unverhofften Frieden feiern. Sie tun das in einer von Balde mit linguistischer Gewitztheit rekonstruierten altlateinischen Sprache.
Das Colloquium ist interessant für alle, die an erstklassiger lateinischer Literatur abseits des Mainstream Freude haben; vor allem auch sprachhistorisch Interessierte sollten sich angesprochen fühlen, Landeshistoriker sowieso. Erfahrungsgemäß können an diesen Colloquien auch Studienanfänger mit Gewinn teilnehmen; sie erhalten damit die Möglichkeit, sich langfristig in ein vielversprechendes Forschungsgebiet einzuarbeiten. Texte werden vor Beginn des Semesters ausliegen (vorläufig zugänglich auch unter http://www.uni-mannheim.de/mateo/camena/bald2/te04.html).

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Jürgen Leonhardt, „Philologie in Baldes Drama Georgicum“, in: Sebastian Neumeister / Conrad Wiedemann (Hg.), Res Publica Litteraria, Bd. 2, Wiesbaden 1987 (einzige Spezialabhandlung); Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Neueste Literatur: http://www.lrz.de/~stroh/main7.html (Balde-Homepage, betreut von Katharina Kagerer).


Colloquium Latinum: De Senecae Phaedra
1-st., Mo 14-15 Uhr, Theresienstr. 39, Raum B 039, Beginn: 19.4.2010

Ad Colloquium Latinum hoc quoque semestri omnes voco:
- qui studiorum tirones sunt, ut e vivo linguae usu prima elementa Latinitatis hauriant;
- qui studiis iam progressi sunt, ut audiendo et loquendo doctrinam firment et augeant;
- qui veteranos in litteris se putant, ut iunioribus quasi exempla humanitatis praeluceant.
Admittuntur tamen etiam ei qui audire modo sibi proposuerunt.
Senecae Phaedram legemus, quae inter optimas tragoedias Latinas habetur. Nonnullis locis hic Seneca Euripidem, quem aemulabatur, non solum adaequavisse, sed etiam superavisse creditur. Certe philosophus ille et amoris et feminarum peritissimus fuit.
Mecum iudicate! Venite! Disputate!

Senecae tragoedias optime edidit Otto Zwierlein, Oxonii (Oxford Classical Texts) ³1991 (1986).
Ad Phaedram commentarium utilem fecerunt Michael Coffey et Roland Mayer, Cantabrigiae 1990.

 

Wintersemester 2009/10


Lateinische Vorlesung: De historia litterarum Latinarum
1-stündig, Mo 14-15 Uhr, Beginn: 19.10.2009, Ende: 08.02.2010, Ludwigstr. 25, D 4c
 
Quid iucundius quam de Latinis audire Latine? Iam praeterito semestri hiemali tales scholas Latinas habui, quae nunc sedulorum quorundam scholarium cura etiam in interreti audiri possunt, hac sede: http://www.lrz.de/~stroh/scholae/vl_eloquentia_wise08-09/eloquentia.html.
Futuro autem semestri, ut videtis, omnes Latinas litteras, quae quidem antiquis temporibus fuerunt, explicare in animo est. Quae omnia ut melius intellegantur, iterum singulis scholis singulos commentarios distribuam, qui quasi summam rerum contineant.
Ergo venite et audite et, si vultis, interpellate aut reclamate!

[Nachtrag Juli 2010: Die Handouts und Tonmitschnitte (mp3-Dateien) sind nun online verfügbar.]


Neulateinisches Colloquium: Jacobus Balde, Satyra in abusum tabaci (zusammen mit Prof. Dr. Claudia Wiener)
2-stündig, Mo 18-20 Uhr, Beginn: 19.10.2009, Ende: 08.02.2010

Während in Bayern über der Frage des eingeschränkten oder uneingeschränkten Rauchverbots die Wogen der öffentlichen Meinung hoch branden, wollen wir das Problem aus historischer Warte angehen: Schon im 17. Jahrhundert gab es nämlich über die Schädlichkeit des Tabakrauchens leidenschaftliche Diskussionen. Sie haben ihren schönsten Niederschlag in einer Satire gefunden, die Jacob Balde, damals berühmtester Dichter Deutschlands, verfasst hat (1657). Obwohl diese scheinbar nur gegen den Missbrauch (abusus) des Tabakgenusses verfasst ist, enthält sie doch eine Totalvernichtung des Gegners – die aber mit so viel Witz geschrieben ist, dass auch Raucher sie mit Vergnügen lesen können. (Balde soll ja sogar selbst insgeheim geraucht haben.) Sigmund von Birken hat sie unter dem Titel „Die Truckene Trunkenheit“ sogleich (1658) ins Deutsche übersetzt bzw. frei bearbeitet. Auch darum ist keine Satire Baldes so bekannt geworden wie dieses geistsprühende Werk.
Zu unserem Colloquium sind Raucher wie Nichtraucher eingeladen, sofern sie über Humor und gewisse Grundkenntnisse des Lateinischen verfügen. Niemand wird zum Übersetzen gezwungen. Besonders sollten sich auch Germanisten angesprochen fühlen. Für Klassische Philologen gibt eine solche Übung die einzigartige Gelegenheit, Texte von weltliterarischem Niveau zu studieren, die wissenschaftlich doch noch so gut wie unbeackert sind. Auch Studienanfänger haben hier die Gelegenheit, sich in ein zukunftsträchtiges Forschungsgebiet einzuarbeiten. - Texte stehen gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit zur Verfügung.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990), dort Satyra in abusum tabaci in Bd. 4,438-468; Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); S. v. Birken, Die Truckene Trunkenheit, Nürnberg 1658, Neudr. (dt. und lat.), hg. von K. Pörnbacher, München 1967; Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Gérard Freyburger / Eckard Lefèvre, (Hg.): Balde und die römische Satire, Tübingen 2005; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Ausführliche Bibliographie: http://www.lrz.de/~stroh/main7.html


Sommersemester 2009


Colloquium Latinum: De Vergili Aeneidos libro I
1std., Mo 14-15 Uhr, Beginn: 20.4.2009

Wie in jedem Semester sind auch diesmal Studenten willkommen, die nur zuhören wollen. Für alle anderen gilt Luthers Devise: Pecca fortiter. Latein reden soll vor allem Freude machen und den natürlichen Zugang zu einer Sprache eröffnen, die nicht als bloßer "Trimmpfad des Geistes" missbraucht werden darf. Besonders auch die Studienanfänger sollten sich wie bisher angesprochen fühlen.
Primus liber Aeneidos tamquam prooemium totius operis est, in quo futurorum omnium semina iaciuntur. Videmus Iunonis iram, quae laborum et errorum plurimorum causa futura est; videmus Aenean non illum quidem hostes fortiter debellantem, sed in maris tempestate paene de salute desperantem; obviam nobis venit Dido regina pulcherrima, quae heroi illi tantum placitura est, ut is fatorum paene obliviscatur. Di melius! Roma condita non esset. - De his aliisque mecum et inter vos disputate!


Neulateinisches Colloquium (zusammen mit Prof. Dr. Manfred Heim und Prof. Dr. Claudia Wiener): Jacobus Balde, Odae Partheniae
2std., Mo 18-20 Uhr, Beginn: 20.4.2009

Der Jesuit Jacobus Balde (1604-1668), heute im Volk allenfalls noch durch den Baldeplatz bekannt, galt in seinem Jahrhundert europaweit als größter deutscher Dichter. Er kam 1637 von Ingolstadt nach München, wo er zunächst am Gymnasium unterrichtete, dann zu höherer Tätigkeit am kurfürstlichen Hof berufen wurde. Verbunden mit seinen neuen Aufgaben war die Erwählung zum Vorsitzenden der Marianischen Congregation in München. Balde nahm dieses Amt so ernst, dass er ein projektiertes Epos abbrach, um sich im Rahmen lyrischer Gedichte nun vor allem der Mariendichtung zu widmen. Mit größtem, auch literarischen Erfolg. Seine Marienoden gelten heute als Perlen der Lyrik, er selbst, als „größter Mariensänger deutscher Zunge“. In den Odae Partheniae (1648) hat er, das Thema abschließend, seine Mariendichtung selbst zu einem Corpus vereinigt – dessen Struktur und Aussage noch nicht erforscht sind.
Die Baldestudien, die wir Klassischen Philologen in München seit 30 Jahren betreiben, werden diesmal interdisziplinär bereichert durch die Einbeziehung der Theologie bzw. der Bayerischen Kirchengeschichte, verkörpert in Manfred Heim (vgl. zuletzt M.H., Von Ablaß bis Zölibat, Beck 2008). Es sollten sich also nicht nur Philologen, sondern besonders auch Theologen und Historiker zur Teilnahme ermuntert  fühlen – natürlich besonders auch Studienanfänger. Seit je gilt in unseren Balde-Colloquien die Regel, dass niemand zum Übersetzen genötigt wird. Im Übrigen ist die Überkonfessionalität der Veranstaltung dadurch gesichert, dass es sich bei Wilfried Stroh um einen evangelischen Pfarrerssohn handelt. So sind auch sonst Gläubige und Ungläubige aller Art willkommen.
Die Texte werden gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit bereitgestellt.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Martin Heinrich Müller, 'Parodia Christiana', Zürich 1964; Eckart Schäfer, Deutscher Horaz. Conrad Celtis, Georg Fabricius, Paul Melissus, Jacob Balde, Wiesbaden 1976, 109-260; Andreas Heider, SPOLIA VETVSTATIS [...] Parthenia, Silvae II Nr. 3 (1643), München 1999; Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004 (u.a. zur Münchner Mariensäule); Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Neueste Literatur: http://www.lrz-muenchen.de/~stroh/balde-bib.html (Balde-Homepage, betreut von Katharina Kagerer).



Wintersemester 2008/09


Vorlesung: De eloquentiae Graecae et Romanae historia
1std., Mi 11-12 Uhr, Beginn: 15.10.2008, D 04 II (Ludwigstr. 25)
 
Inter omnia quae Graeci, Europae magistri, invenerunt, una eminet rhetorica. Nulla enim fere gens artibus dicendi tantopere studuit. Quod non solum ex orationibus scriptis, sed etiam e carminibus epicis tragicis comicis multisque aliis manifestum est. Quos tamen Romani aequo studio secuti sunt. Nec Cicero dubitavisse videtur quin aut par Demostheni aut etiam superior illo esset.
His scholis igitur totam eloquentiae Graecae et Romanae historiam ab Homero usque ad Augustinum recensere conabor. Nec sat habebo oratores illustrissimos audientibus proponere, sed etiam praecepta rhetorica, quae sunt de inventione dispositione ceterisque artis partibus, quomodo nata aucta mutata sint demonstrabo.
Raro datur occasio scholas Latine habitas audiendi. Quare hoc ut facerem multi scholares me rogaverunt, quibus nunc morem gero. Venite igitur et audite!

Libri utiles: Manfred Fuhrmann, Die antike Rhetorik, eine Einführung. München / Zürich 1984, 4. Aufl. 1995; Ian Worthington (Hg.): A companion to Greek rhetoric, Malden, MA (Blackwell) 2007; William Dominik (Hg.): A companion to Roman rhetoric, Malden, MA u.a. 2007.

Die Handouts und Tonmitschnitte (mp3-Dateien) der meisten Sitzungen sind online verfügbar.


Neulateinisches Colloquium: Jacobus Balde als politischer Dichter (zusammen mit Prof. Dr. Claudia Wiener)
2std., Mo 18-20 Uhr, Beginn: 13.10.2008, A U115

Niemand bezweifelt, dass der lateinische Dichter Jacobus Balde (1604-1668) zu den herausragenden Gestalten der deutschen Literaturgeschichte gehört. In seinem Jahrhundert jedenfalls war er dank der Virtuosität seiner Sprache, dem Witz und der Leidenschaftlichkeit seiner vielfältigen Werke der europaweit berühmteste deutsche Dichter überhaupt. Warum also wird Balde heute so viel weniger gelesen als etwa ein Gryphius, Paul Gerhardt oder Grimmelshausen? Weil seine Gedichte eben wegen ihrer Sprache als schwierig und unzugänglich gelten. Nicht ganz zu Recht! In den nun schon fast dreißig Jahren, in denen wir uns an unserem Institut mit Balde beschäftigen (seit 1999 erscheinen auch Münchner Baldestudien), haben wir die Erfahrung gemacht, dass gerade das gemeinsame Lesen, Übersetzen und Interpretieren diesen Dichter in einer Weise aufschließt, wie man es auch durch intensives Selbststudium nicht erreichen kann. Dazu kommt der unvergleichliche Genuss, große Poesie auf einem durch keine Sekundärliteratur verstellten Weg kennen zu lernen. Auch Studienanfänger sollten sich trauen mitzumachen. Niemand wird zum Übersetzen gezwungen. Zum Gegenstand: Vor allem als gereifter Lyriker spürte Balde in sich den Drang, im Vertrauen auf die Publizität seiner Dichtung und auf seine Freundschaft mit dem französischen Gesandten Claude de Mesmes politische Wirkung zu suchen, d.h. sich im Vorfeld des Westfälischen Friedens für die europäische Versöhnung einzusetzen. So versucht er, in leidenschaftlichen Oden auf die in Münster versammelten Fürsten einzuwirken (Sylvae IX), und er schreibt ein Bauerndrama über den Ulmer Frieden (1647). Außer diesen Werken soll vor allem auch die Ode auf Kurfürst Maximilian I. von Bayern (Lyrica IV 1), vielleicht Baldes berühmtestes Werk überhaupt, gelesen werden. Texte werden gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit zur Verfügung gestellt (in meinem Fach in der Bibliothek). Alle Münchner Baldeaner freuen sich auf neue Interessenten.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Max Spindler / Andreas Kraus (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 2: Das alte Bayern, München ²1988;  Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573-1651, München 1998; Wilfried Stroh, Baldeana, München 2004; Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006.


Sommersemester 2008

Colloquium Latinum: De Ovidi Metamorphoseon libro primo
Mo 14-15 Uhr, Beginn: 14.4.

Das Colloquium gibt die Möglichkeit, zur lateinischen Sprache einen unmittelbaren Zugang zu gewinnen: Statt Texte der Römer „herauf herab und quer und krumm“ zusammenzubuchstabieren, versuchen wir, gesprochenes Latein so direkt zu erleben und zu verstehen, wie dies bei native speakers gewesen sein muss. Erfahrungsgemäß verändert und verbessert sich dadurch auch das Verhältnis zu den schriftlichen Texten. - Im Colloquium willkommen sind auch Studienanfänger und Studenten, die nur zuhören, nicht mitdiskutieren wollen.
Ovidi Metamorphoseon librum primum pulcherrimum esse nemo negabit. Qui „a prima origine mundi“, ut poeta ipse dicit, usque ad initia conatus infelicis Phaethontis lectorem ducit; continet autem cum philosophica sive physica nonnulla, tum fabulas poeticas lepidissimas, ut cum de Deucalione aut de primis amoribus Apollinis narratur. Quam iuvabit haec una legere et explicare. Venite!

 
Neulateinisches Colloquium: Jakob Balde und Kurfürst Maximilian I.
Mo 18-20 Uhr, Beginn: 14.4.

Dass sich der größte Politiker und der größte Dichter persönlich begegnen, ist nichts Gewöhnliches. Für Bayern ereignete es sich im Jahr 1638: Kurfürst Maximilian I., schon damals unbestritten Bayerns erfolgreichster Staatsmann, holte Deutschlands seinerzeit berühmtesten Poeten, Jacobus Balde (1604-1668), zuerst als Hofprediger, dann als Historiographen an den Münchner Hof, wo dieser ein Jahrzehnt lang ausharrte - obwohl ihm die auferlegte Aufgabe einer Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs zunehmend wenig behagte. Neuere Literaturgeschichtler sehen Balde geradezu in der Rolle eines geheimen Rebellen gegen den zunehmend verbitterten und vereinsamten Potentaten.
Im Colloquium sollen, um ein gerechtes Urteil zu ermöglichen, alle das Verhältnis der beiden betreffenden Texte zumindest in Auszügen behandelt werden: das Kleinepos (1628) über die Schlacht am Weißen Berge, das heitere Epithalamium zur Wiederverheiratung Maximilians (1635), die große religiöse Ode auf Maximilian, Lyrica IV 1 (1641), die altlateinische Bauernkomödie Drama georgicum auf den Ulmer Frieden (1647) und Baldes unveröffentlichte Geheimschrift Interpretatio Somnii (1649), in der er sein Verhältnis zum Kurfürsten selbst erläutert.
Die Vielfalt der Texte und Textsorten ermöglicht Studienanfängern einen geradezu idealen Zugang zum Gesamtwerk Baldes. Neben Lateinstudenten, die einen Lektüreschein erwerben können, sollten sich aber vor allem auch Historiker und Germanisten angesprochen fühlen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Die zu behandelnden Texte werden schon am Anfang der Ferien zugänglich gemacht.

Literatur: Jacobus Balde, Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (ND 1990); Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (ND 1998); Josef Bach (Hg.), Interpretatio somnii de cursu historiae Bavaricae, Regensburg 1904; Dieter Breuer, Oberdeutsche Literatur 1565-1650, München 1979, 218-276; Hubert Glaser (Hg.), Wittelsbach und Bayern, Bd. 2 (2 Teile), München 1980; Max Spindler / Andreas Kraus (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 2: Das alte Bayern, München ²1988;  Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573-1651, München 1998; Alois Schmid / Katharina Weigand (Hg.), Die Herrscher Bayerns, München 2001, 202-217, 401 f., 424 (Gerhard Immler, mit Lit.); Th. Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006 (mit einschlägigen Arbeiten von Dieter Breuer, Eckart Schäfer, Wilfried Stroh, Hermann Wiegand).



Wintersemester 2007/08

Colloquium Latinum: De Horati carminum libro primo
1-st., Mo 14-15 Uhr, Raum M 003, Beginn: 13.10.

„Lateinsprechen auch? Das können ja auch an den Universitäten kaum die professores eloquentiae“ (d.h. die Klassischen Philologen)! So verwunderte sich vor zweihundert Jahren Friedrich August Wolf, Freund Goethes und Begründer der modernen klassischen Altertumswissenschaft, als er von den horrenden Anforderungen in der neuen preußischen Abiturordnung hörte. „Lateinsprechen“ im mündlichen Abitur, das schien ihm denn doch übertrieben, obwohl er selbst diese Kunst vorzüglich beherrschte – oder eben weil er hier ein Meister war! Wir in unserem Colloquium Latinum legen die Messlatte niederer und bescheiden uns damit, in einfachem, möglichst korrektem Latein den Inhalt klassischer lateinischer Texte zu erfassen und darüber miteinander zu reden. Dabei machen wir die Erfahrung, dass sich durch Hören und Sprechen (ohne das leidige „Konstruieren“) wie von selbst unsere Einstellung zur Sprache ändert, so dass wir dann auch leichter lesen und natürlich übersetzen können. - Wie in jedem Semester sind auch diesmal Studenten willkommen, die nur zuhören wollen.
Horatius carmina sua lyrica, quibus maxime gloriabatur, non legi solum recitarive, sed etiam ad lyram cantumque tibiae cantari volebat. Nos quoque id interdum  pro viribus facere conabimur, sed maior pars laboris in explicatione sive enarratione singulorum carminum aut versuum consumetur. Commodissime autem accidit quod in prima parte primi libri plurima et iucundissima genera metrorum insunt, quae cognoscere iuvabit.
Venite igitur et de optimi poetae opere optimo mecum libentissime disputate!
 

Neulateinisches Colloquium (zusammen mit Prof. Dr. Claudia Wiener):
Jacobus Balde, Batrachomyomachia
2-st., Mo 18-20 Uhr, Raum M 003, Beginn: 15.10.07

Jeder Münchner weiß, wo der Baldeplatz liegt. Aber wenige wissen, warum er so heißt und wer auf der Büste dort abgebildet ist. In unserem Institut hat sich die richtige Antwort seit gut fünfundzwanzig Jahren herumgesprochen: Jacobus Balde (1604-1668), in München als Gymnasiallehrer, Hofprediger und Historiograph tätig, war zumindest in seinem Jahrhundert
der europaweit bekannteste Dichter Deutschlands, berühmt bis heute vor allem für seine Lyrik, aber auch in vielen anderen Gattungen ein Könner. Seine Batrachomyomachia („Froschmäusekrieg“), ein lateinisches Epos in fünf Büchern, hat Balde als Rhetoriklehrer an unserer Universität (damals noch in Ingolstadt) verfasst, um, wie er sagte, der Jugend eine Freude zu machen und etwas zum Lachen zu geben. Nie ist dieser angeblich auf Homer zurückgehende, immer wieder neu bearbeitete Stoff mit solchem Charme und hintergründigem Witz behandelt worden; man muss schon bis zu Goethes „Reineke Fuchs“ gehen, um ein vergleichbares komisches Epos in Deutschland zu finden.
Wenigstens im Überblick soll das ganze Werk in den Blick kommen. Doch wollen wir uns vor allem dem dritten Buch widmen, das eine Art geistiges Zentrum bildet. Hier erläutert nämlich Jupiter den versammelten Göttern, dass er selber Urheber des zum Gaudium der Himmlischen veranstalteten drolligen Kriegs ist und dass er ihn als eine Art Praeludium zu einem zukünftigen Weltkrieg geplant hat: Gemeint ist damit der Dreißigjährige Krieg, dessen erschütternde Begebenheiten gerade in diesem Buch vielfach gespiegelt werden.
Die Batrachomyomachia ist trotz ihres unhandlichen Namens ein sprachlich eher leichtes Werk. So hoffen wir, mit diesem Colloquium auch Studienanfänger anzusprechen, um sie in heiterer Atmosphäre, versteht sich, vielleicht zu kleinen Baldeforschern ausbilden zu können. Auch der lateinisch Brustschwächere sehe sich eingeladen: Niemand wird zum Übersetzen gezwungen. Aber natürlich kann auch ein Lektüreschein erworben werden. Texte werden von Ende Juli an zugänglich gemacht.

Einführung: Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke (1868), Neuausgabe mit Bibliographie: Amsterdam & Maarssen 1998 (Bibliographie wird erneuert unter www.lrz-muenchen.de/~stroh/balde-bib.html). Zur Batrachomyomachia: Veronika Lukas: Batrachomyomachia: Homers Froschmäusekrieg auf römischer Trompete geblasen von Jacob Balde S.J. (1637/1647), mit kritischer Ausgabe des ersten Buches, Übersetzung und Kommentar, München 2001; Ulrich Schmitzer: "Jakob Baldes Batrachomyomachie" (2007), vorläufig als Online-Publikation unter http://www.kirke.hu-berlin.de/schmitzer/preprint/balde_batr.pdf

 
 

Sommersemester 2007

Colloquium Latinum: De Ciceronis orationibus in Catilinam habitis
1-st., Mo 14-15, Beginn: 16.4.

Wie in jedem Semester sind auch diesmal Studenten willkommen, die nur zuhören wollen (sofern sie immerhin bereit sind, ihren Namen zu nennen). Für alle anderen gilt Martin Luthers Grundsatz: Pecca fortiter. Latein reden soll vor allem Spaß machen und den natürlichen Zugang zu einer Sprache eröffnen, die nicht zur bloßen Geistesakrobatik entarten darf. Besonders auch die Studienanfänger sollten sich wie bisher angesprochen fühlen.
Ciceronis Orationes Catilinariae laudatore non egent. Tractabimus autem praecipue primam, in qua orator hostem rei publicae ex urbe eicit, deinde quartam, qua senatoribus latenter suadet, ut Catilinae socii in summo scelere manifesto deprehensi ultimo supplicio afficiantur. Illic gravitatem et copiam, hic etiam calliditatem et prudentiam summi oratoris cognoscere licebit.
Venite igitur et libenter mecum disputate!

 
 
Neulateinisches Colloquium (zusammen mit Prof. Dr. Claudia Wiener):
Jacobus Balde, Sylvae III

2-st., Mi 18-20, Beginn: 18.4.

Jacobus Balde war im 17. Jahrhundert der europaweit bekannteste Dichter Deutschlands, berühmt bis heute vor allem für seine Lyrik, aber auch in vielen anderen Gattungen ein bewunderter Virtuose. Seit langem ist man an unserem Institut damit beschäftigt, sein riesiges Werk sukzessive zu erschließen. Schließlich hat ja Balde vor allem in München gewirkt, wo er als Hofprediger und Hofhistoriograph in Diensten von Kurfürst Maximilian I. stand. Hier sind vor allem seine Lyrica und seine Sylvae erschienen, um die es uns in diesem Semester gehen soll.
Im dritten Buch der Sylvae (1643), entstanden während der letzten Phase des Dreißigjährigen Krieges, als ganz Deutschland unter den außer Kontrolle geratenen Heerhaufen stöhnte, tritt Balde wie der Horaz der sogenannten Römeroden (Carmina 3,1-6) als vates und moralischer Lehrer seines zerstrittenen Vaterlandes auf (Überschrift: De moribus veteris ac novae Germaniae). Er sieht die Ursache für das Elend der Zeit in einem Sittenzerfall, der in einer Abkehr vom alten deutschen Wesen und einer Zuwendung zu fremden, besonders französischen Moden (Alamode-Wesen) besteht. Ein auch kulturgeschichtlich höchst aufschlussreicher Text!
Ziel des Colloquiums ist die Erarbeitung eines Kommentars. Zu Veranstaltung ist jedermann eingeladen, der Lust hat, über einen schwierigen, aber fesselnden und literarisch hochklassigen Text zu diskutieren. Die Erfahrung der letzten Semester hat gelehrt, dass auch Studienanfänger produktiv mitwirken und vor allem selber sprachlich profitieren können. Besonders zu wünschen wäre diesmal die Teilnahme von Historikern und Germanisten. Sie könnten auf Wunsch von der Aufgabe des Übersetzens entbunden werden. Die nötigen Texte werden zu Beginn der vorlesungsfreien  Zeit zur Verfügung gestellt.

Einführung: Georg Westermayer, Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke (1868), Neuausgabe mit Bibliographie: Amsterdam & Maarssen 1998 (Bibliographie wird erneuert unter www.klassphil.uni-muenchen.de/~ stroh/balde-bib.htm). Neueste Forschungen: Thorsten Burkard u.a. (Hg.), Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche, Regensburg 2006. Zu SylvaeIII: Wilhelm Kühlmann, "Alamode-Satire, Kultursemiotik und jesuitischer Reichspatriotismus - Zu einem Gedichtzyklus in den Sylvae (1643) des Elsässers Jacob Balde SJ", Simpliciana - Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft 22, 2000, 201-226.


Wintersemester 2006/7

Colloquium Latinum: De Horati arte poetica
1-st., Mo 14-15

Wie in den vorigen Semestern sind auch Teilnehmer eingeladen, die nicht sprechen, sondern nur zuhören wollen. (Obwohl ein solcher Vorsatz manchmal gar nicht so leicht durchzuhalten ist: experiendo cognoscetis!). Es sollten sich besonders auch Studienanfänger angesprochen fühlen: Gesprochenes Latein, selbst wenn es zunächst nur passiv aufgenommen wird, eröffnet einen völlig neuen Zugang zur Sprache, der sich bald auch beim Lateinlesen wohltuend bemerkbar macht.
Carmen autem quod Horatius scripsit „De arte poetica“ – nam hic mihi verissimus titulus videtur – est quasi fundamentum omnium, quae postea de hac materia, id est de carminibus ac poesi, a viris doctissimis disputata sunt. Nec defuerunt qui putarent nihil umquam melius scribi posse! Unde etiam nonnulla in proverbia transierunt, ut illud „Ab ovo“ , „In medias res“ versusque notissimus „Aut prodesse volunt aut delectare poetae“. Certe nemo se satis Latinis litteris instructum putare poterit, nisi hunc aureum libellum perlegerit. Qui tamen etiam nonnulla obscura habet – quae nos diligentissima enarratione sive explicatione illustrare conabimur.
Venite igitur quam plurimi et mecum ab Horatio magistro optimo discite!

 
Neulateinisches Colloquium (zusammen mit Prof. Dr. Claudia Wiener)
2-st., Mi 18-20

Das in den vergangenen beiden Semestern so erfreulich stark besuchte Neulateinische Colloquium soll auch in Zukunft fortgesetzt werden. Zunächst gilt es vor allem, die im Sommersemester begonnene Arbeit an Jacob Baldes „Torvitatis encomium“ (Lobpreis des gräuslichen Aussehens, 1658) zu einem Abschluss zu führen. In diesem köstlichen satirischen Gedicht versucht Balde nachzuweisen, dass sämtliche Dichter und Denker von Rang, wenn sie schon körperlich nicht geradezu deformiert waren, dann doch zumindest aller Kosmetik abgeschworen und einen verwahrlosten Anblick geboten hätten. Dies vermischt er mit manchen Gedanken der Stoa, die ihn offenbar tief fasziniert hat, auch wo sie seinem christlichen Glauben (als Geistlicher und Jesuit) widersprechen musste.
Jacob Balde war in seinem Jahrhundert der europaweit berühmteste Dichter Deutschlands. Die Erschließung seines schwierigen und geistreichen Werks ist heute vor allem eine Aufgabe der Klassischen Philologen. Sie erlaubt es, sich mit origineller, hochklassiger Literatur zu befassen, meist (wie im Fall von „Torvitatis encomium“) ohne Vorgaben oder Gängelung durch irgendwelche Sekundärliteratur. Wer schöpferisch Philologie treiben will, findet hier das richtige Arbeitsfeld! Es hat sich gezeigt, dass gerade auch Studienanfänger erfolgreich mitarbeiten können.
Allen, die neu einsteigen wollen, wird neben dem Originaltext eine Übersetzung des bisher erarbeiteten Texts zur Verfügung gestellt (schon bald nach Beginn der Ferien). Wir freuen uns über alle hinzukommenden Teilnehmer und erwarten ein, wie bisher, erfreuliches und heiteres Colloquium.

 

Sommersemester 2006

Colloquium Latinum: De Ovidi Amorum libro III
Mo 14-15 Uhr, Beginn: 24.4.2006, Raum M 003

Wie bisher gilt: Auch Studienanfänger sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Niemand wird zum Reden gezwungen (außer dass er auf Nachfrage bereit ist, seinen Namen zu sagen und ihn latinisieren zu lassen). Schon das bloße Zuhören eröffnet einen neuen, unmittelbaren Zugang zur lateinischen Sprache, deren Sätze, wie in jeder Sprache, nicht konstruiert werden dürfen, sondern direkt verstanden werden müssen.
Nec tamen quisquam vos loqui quam plurima vetabit. legemus autem librum tertium Ovidi Amorum, qui sententiarum argutarum tam plenus est, ut nil fere plus delectationis afferre possit. quam iuvabit vobiscum de his carminibus colloqui! si libros comparare vobis volueritis, maxime commendem editionem Oxoniensem, quam Kenneius confecit. sed alii quoque libri grati erunt.
Exspecto vos. venite mecumque ridete poetam ingeniosissimum!
 

Colloquium: Jacobus Balde                                      Wiener / Stroh
Mi 18-20 Uhr, Beginn: 26.4.2006, Raum C 209

In diesem Colloquium zu Deutschlands größtem Barockdichter sollen einzelne Werke in fortlaufender Lektüre erschlossen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nichts für das Verständnis dieses eigenwilligen Autors so förderlich ist wie ein zwangloses gemeinsames Brainstorming, an dem auch Anfänger durchaus teilnehmen können. Sowohl diese als auch natürlich erfahrene Lateiner von innerhalb und außerhalb der Universität sind willkommen zu einer Lektüre, die bestimmt nie langweilig sein wird.
Für das Sommersemester haben wir uns vor allem Baldes „Torvitatis Encomium“ (1658), ein paradoxes „Lob der Hässlichkeit“, vorgenommen. Von diesem Werk ist bisher nur die einleitende Abhandlung „De studio poetico“ bekannt geworden (grundlegend behandelt vor allem in der Dissertation von Thorsten Burkard, in: Müchner Baldestudien Bd.3, 2004); der Hauptteil des Werks, in dem sozusagen alle Ästhetik auf den Kopf gestellt wird, ist noch immer fast unerschlossen (vgl. jetzt immerhin: Thomas Baier: Baldes satirische Dichtungslehre im Zeichen der Torvitas, in: G. Freyburger / E. Lefèvre [Hg.], Balde und die römische Satire, Tübingen 2005, 245-255). Ins Auge gefasst ist eine zweisprachige Ausgabe mit kurzem Kommentar.
Kopien des Texts werden vom Beginn der vorlesungsfreien Zeit an zur Verfügung stehen.
 
 

Wintersemester 2005/6

Colloquium Latinum: De Ovidi Metamorphoseon libro X
1std.,  Mo 14-15, Beginn: 17.10.2005                            A 225

Wie immer sind zum Colloquium Latinum auch diejenigen zugelassen, die nur zuhören wollen (quamquam ne eos quidem loqui vetabimus!). Jedermann ist willkommen, der an einem einfachen und natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache, wie er hier geboten werden soll, Interesse hat. Auch Erstsemester bzw. Studienanfänger sollten sich angesprochen fühlen.
Quod autem decimum potissimum librum Metamorphoseon tractabimus, non fit sine causa. nullus enim liber et suavitate sermonis et materiae iucunditate tam gratus et amoenus videtur quam hic, in quo Orpheus ipse „pueros“ canit „dilectos superis inconcessisque puellas ignibus attonitas“. hic igitur discere licebit, quid in amore appetendum, quid fugiendum sit.
Venite et mecum disputate!


Colloquium: Jacobus Balde                                                      Wiener / Stroh
Mi 18–20 Uhr, Raum 386  (neu: C209)

Jacobus Balde (1604-1668) war in seinem Jahrhundert der europaweit angesehenste deutsche Dichter, ein Meister in allen literarischen Gattungen, deren Zahl er auch noch durch eigene Erfindungen bereichert hat. Den Gipfel seines Ruhms, vor allem als Lyriker, erreichte er in München, wo er zunächst als Gymnasiallehrer am heutigen Wilhelmsgymnasium, später als Hofprediger und Hofhistoriograph in unmittelbarer Nähe von Kurfürst Maximilian I. wirkte.
Die an unserem Institut seit 25 Jahren betriebenen Forschungen zu Balde (die ihren Niederschlag auch in „Münchner Baldestudien“, 1999 ff., gefunden haben) sollen von diesem Semester an durch ein regelmäßig stattfindendes Balde-Colloquium wiederbelebt werden. Dabei soll dieses Colloquium sowohl den Fortgeschrittenen Gelegenheit zur Diskussion wissenschaftlicher Arbeiten geben als auch Anfänger dazu ermuntern, sich in diesen faszinierenden Dichter einzuarbeiten.
Wir beginnen mit dem (noch unveröffentlichten) Emblemzyklus „De Dei et mundi amore“, den Balde mit seinen Münchner Schülern, wahrscheinlich zum Weihnachtsfest 1627, erarbeitet hat: Diese im Gymnasium ausgehängten Bildgedichte sind auch für Kunsthistoriker interessant. Texte mit Illustrationen werden zur Verfügung gestellt.

Literatur: J. B., Opera poetica omnia, 8 Bde., München 1729 (Neuausg. mit Einl. 1990); G. Westermayer: Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868 (Neuausg. mit Nachwort und Bibliographie, 1998); G. Hess: „Amor in München. Anmerkungen zu Jacob Baldes Emblem-Handschrift von 1628“, in: W. Harms / D. Peil (Hg.), Polyvalenz und Multifunktionalität der Emblematik, Teil I, Frankfurt/M. u.a. 2002, 25-46. Mehr unter: www.lrz-muenchen.de/~stroh/balde_lit.htm.


Sommersemester 2005

Vorlesung: Ciceros philosophische Schriften
2st., Mi 11-13

Wie kaum eine andere Person der Antike verkörpert Cicero das Ideal des ‚Philosophenkönigs’, also die von Platon geforderte Einheit philosophischer Bildung und politischer Tätigkeit, wie sie Cicero schon von seiner frühesten Schrift (‚De inventione’) an vorschwebt. Dabei soll er sogar die Rhetorik als bloßes Instrument, die Philosophie als seine eigentliche Aufgabe bezeichnet haben. Auf jeden Fall sind seine philosophischen Schriften nicht nur Ergebnis einer unfreiwilligen Muße, sondern entspringen dem Bedürfnis, sowohl die geistigen Schätze der Griechen seinen Mitbürgern in lateinischer Sprache zu erschließen als auch vor allem der Jugend geistige und moralische Orientierung zu geben. Die Wirkung war groß: Cicero wurde (nach Wilhelm Dilthey) geradezu Vater der „gemeinsamen europäischen Überzeugungen“.
Die Vorlesung gibt einen Gesamtüberblick in chronologischer Folge, wobei gelegentlich auch die rhetorischen Werke, sofern sie philosophischen Anspruch erheben, in den Blick kommen sollen.

Zur Einführung in Cicero empfohlen: O. Plasberg, Cicero in seinen Werken und Briefen, Leipzig 1926 (Ndr. 1962). Grundlegend: G. Gawlick / W. Görler, „Cicero“, in: H. Flashar (Hg.), Die Philosophie der Antike, Bd. 4, Basel 1994, 991-1168. Repräsentativ für die neuere Forschung: J.G.F. Powell (Hrsg.), Cicero the philosopher, Oxford 1995


Oberseminar: Cicero, De fato
3 st., Mo 15 c.t.-17.30 Uhr

Seit die Stoa den eigentlichen Begriff der Kausalität hervorgebracht hat, gibt es das Problem der Willensfreiheit in seiner modernen, bis heute diskutierten Gestalt: Lässt sich die Annahme einer Determiniertheit  alles Geschehens mit Freiheit und Verantwortlichkeit des menschlichen Handelns vereinen? Dieses Problem wird in Ciceros (leider unvollständig erhaltener) Schrift ‚De fato’ in umfassender Weise behandelt: Alle drei Teile der Philosophie, neben Ethik und Physik auch die Logik, sollen zur Lösung beitragen. Es überrascht nicht, dass dieses Werk Ciceros heute mehr als andere das Interesse gerade der Philosophen auf sich zieht. Sie lohnt das Mitdenken.
Zur ordentlichen Teilnahme am Oberseminar sind alle berechtigt, die schon ein Hauptseminar erfolgreich besucht haben. Als Gäste sind vor allem auch Philosophiestudenten willkommen. Jeder, der am Thema interessiert ist, sollte sich angesprochen fühlen.
Eine (unverbindliche) Vorbesprechung findet am Donnerstag, 10. 2. 2005, 14 Uhr s.t. in meinem Dienstzimmer (383) statt.

Auch als wissenschaftliche Ausgabe verwendbar ist: Karl Bayer (Hg.), Cicero über das Schicksal, lateinisch-deutsch, Düsseldorf-Zürich (Tusculum) 42000, mit Literturhinweisen. Standardausgabe: R. Giomini (Hg.), Cic., De divinatione, De fato, Timaeus, Leipzig (Teubner) 1975. Neuste kommentierte Ausgabe (mit ausführlichen Literaturangaben): R.W. Sharples, Warminster 1991 (zusammen mit Boethius, cons. 4, 5-7). Zum philosophischen Hintergrund: S. Bobzien, Determinism and freedom in Stoic philosophy, Oxford 1998.


Lateinisches Proseminar: Seneca, Phaedra
2std., Di 11-13 Uhr

Die Tragödien des Dichterphilosophen Seneca gehören zu den lange Zeit fast vergessenen Meisterwerken der lateinischen Literatur. Dazu trug vor allem bei, dass sie als rhetorisch und bühnenfremd galten. In den letzten Jahrzehnten ist hier ein gewisser Umschwung eingetreten: Zu fast allen Tragödien sind nun ausführliche Kommentare entstanden; und auch das Theater, in Deutschland wie anderswo, bemüht sich, dem Dramatiker Seneca wieder ein Publikum zu verschaffen.
Gerade die ‚Phaedra‘, die Seneca nach dem ‚Hippolytos‘ des Euripides ganz frei gestaltet hat, ist eines seiner auch theatralisch wirkungsvollsten Stücke, und so hat sie auf das Drama der frühen Neuzeit (besonders bei Racine) stark eingewirkt. Für das Proseminar eignet sie sich, weil Sprache und Metrik relativ einfach sind und weil die inhaltliche Interpretation lehrreiche Ausblicke sowohl auf die griechische Tragödie als auch auf die stoische Philosophie eröffnet.
Eine (unverbindliche) Vorbesprechung findet am Donnerstag, 10. 2. 2005, 15 Uhr s.t. in meinem Dienstzimmer (383) statt.

Maßgebliche Gesamtausgabe: O. Zwierlein, Oxford (OCT) ³1991. Spezialkommentar: M. Coffey / R. Mayer, Cambridge 1990. Zur Interpretation: R. Mayer, Seneca: Phaedra, London 2002. Allgemein: G.W.M. Harrison (Hg.), Seneca in performance, London 2000.

 

Übung: Einführung in die lateinische Metrik
2std., Di 15-17 Uhr

Die Kenntnis und Beherrschung der Metrik gehört zu den unentbehrlichen Voraussetzungen für das Verständnis römischer Dichtung und somit auch für jedes Lateinstudium. In dieser Veranstaltung sollen die wichtigsten Elemente der metrischen und prosodischen Theorie vermittelt werden. Praktische Übungen sollen zum zum Analysieren, vor allem aber auch zum sinnvollen Lesen (und Genießen) lateinischer Verse anleiten.

Zur Einführung: F. Crusius / H. Rubenbauer, Römische Metrik: eine Einführung, München ²1955 (Ndr. zuletzt Hildesheim 1984); J.W. Halporn M. Ostwald, Lateinische Metrik, Göttingen ²1980; S. Boldrini, Prosodie und Metrik der Römer, Stuttgart / Leipzig 1999 (mit einseitigem Schwergewicht auf der altlateinischen Dramenmetrik).


Colloquium Latinum: De Vergili Aeneidos libro IX
1std., Mo 14-15 Uhr

Wie in den vergangenen Semestern steht das Colloquium Latinum auch den Studenten offen, die nur zuhören wollen: nemo loqui cogetur, nemo tamen a loquendo deterrebitur. Da nicht nur das Lateinreden, sondern auch schon das Hören erfahrungsgemäß einen einfachen und natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache eröffnet, sollten sich besonders auch Studienanfänger angesprochen fühlen: venite, tirones et veterani!
Nonum librum autem e tota Aeneide eam ob causam elegi quod is mihi a poeta non solum summa arte, sed etiam eximio quodam calore ac fervore compositus videtur. sed hoc ipsi videbitis. iterum dico: venite!


Wintersemester 2004/5


Vorlesung: Römische Komödie
2st., Mi 11-13 Uhr

Mit der Komödie beginnt für uns die lateinische Literatur und zwar als eine Literatur fürs Volk. Es war nicht eine Schicht von Gebildeten, die sich die Meisterwerke der hellenistischen Komödie, vor allem des Menander, zu ästhetischem Genuss lateinisch aufbereiten ließ – diese Leute brauchten keine Übersetzer -, es war ein Bedürfnis des einfachen Mannes, das solche Werke hervorrief: Er wollte so schöne Dinge, wie man sie etwa auf den griechischen Bühnen Süditaliens sehen konnte, auch zu Hause haben; seinem Wunsch vor allem entsprach Livius Andronicus, als er im Jahr 240 v.Chr. zum ersten Mal ein nach griechischem Vorbild geschaffenes Drama in Rom auf die Bühne brachte. Ob dies eine Komödie oder Tragödie war, wissen wir nicht: Tatsache ist, dass alle Tragödien der republikanischen Zeit in der späteren Tradition durch die entsprechenden Werke Senecas so ersetzt wurden, dass sie uns verloren gegangen sind, wogegen die Komödien von Plautus und Terenz, die immer konkurrenzlos waren, trotz ihres altertümlichen Lateins erhalten blieben und bis weit in die Neuzeit als mustergültige Vorbilder auch für das moderne Lustspiel galten.
Die Vorlesung soll einen Gesamtüberblick über die Geschichte der römischen Komödie und die erhaltenen Werke geben. Besonderer Nachdruck soll neben dem Kulturgeschichtlichen auch auf Sprache und Metrik gelegt werden, da hier der Anfänger erfahrungsgemäß Schwierigkeiten hat. Als für die beiden Autoren besonders charakteristische Stücke werden die ‚Mostellaria‘ des Plautus und die ‚Hecyra‘ des Terenz interpretiert. Texte können zur Verfügung gestellt werden.

Einführende Lektüre: Eckard Lefèvre (Hrsg.), Das römische Drama, Darmstadt (WB) 1978; umfassende Information: Jürgen Blänsdorf u.a., „Das Drama“, in: Werner Suerbaum (Hg.), Die archaische Literatur von den Anfängen bis Sullas Tod (R. Herzog † / P.L. Schmidt [Hg.], Handbuch der lateinischen Literatur der Antike, Bd. 1), München 2002, 143-277 (bes. 170-254).




Lateinisches Hauptseminar: Horaz, De arte poetica
3st., Di 15 s.t.- 17.15 Uhr

Das Lehrgedicht des Horaz ‚De arte poetica‘, ein Spätwerk des schon berühmten Lyrikers und Satirikers, ist neben der ‚Poetik‘- Vorlesung des Aristoteles die wichtigste Gesamtdarstellung ihres Gegenstands, die uns aus der Antike erhalten ist; bis noch ins achtzehnte Jahrhundert hat sie vielfach als unübertrefflich gegolten Im Gegensatz zum griechischen Philosophen behandelt Horaz die Dichtung durchweg normativ, d.h. er gibt vor allem der Jugend Anweisung zum richtigen, erfolgreichen Dichten. Dabei behandelt er die Dinge jedoch völlig unsystematisch in der Art, dass er, von Einzelfragen der Komposition und des Sprachstils ausgehend, vor allem das (in augusteischer Zeit darniederliegende) Drama behandelt, um dann auf die Grundfragen der Dichtung überhaupt zu kommen. Vor allem dieser Aufbau des Werks – Julius Caesar Scaliger sprach in seiner berühmten ‚Poetice‘ von einer ars sine arte tradita – hat die Forschung seit je fasziniert, wobei natürlich auch die Frage nach eventuellen griechischen Vorbildern eine Rolle spielte.
Im Seminar soll das Werk genau durchkommmentiert werden, um von hier aus zur Behandlung der allgemeinen Fragen nach Anlage und eigentlicher Absicht des Werks zu kommen. Eine (unverbindliche) Vorbesprechung findet am Donnerstag, 22. Juli, 14 Uhr s.t., in meinem Büro (383) statt.

Voraussetzung der Teilnahme ist der Besitz einer kritischen Horazausgabe, wobei neben den neueren Teubner- (Saur-)Ausgaben von  D.R. Shackleton Bailey (1985) und Stephan Borzsák (1984) durchaus auch noch die von Friedrich Klingner (61982) empfohlen werden kann. Wichtig sonst bes. Charles O. Brink, Horace on poetry: Prolegomena to the Literary Epistles, Cambridge 1963 (mit älterer Bibliographie); ders. , Horace on poetry II: The Ars Poetica‘, Cambridge 1971 (Augabe mit Komm.); Niall Rudd: Horace, Epistles, book II and Epistle to the Pisones (Ars poetica), Cambridge u.a. 1989 (Ausgabe mit Komm.).




Lateinische Lektüre: Cicero, Pro Sulla
2st., Mo 15-17 Uhr

Zu Unrecht nur weniger bekannt unter Ciceros Kriminalprozessreden, ist das Plädoyer, das er im Jahr 62 v.Chr. für einen gewissen P. Cornelius Sulla gehalten hat: Dieser war als Teilnehmer an der Catilinarischen Verschwörung (de vi) belangt worden; auch Vorwürfe wegen einer angeblichen früheren Verschwörung wurden gegen ihn vorgebracht. Cicero, dem man vorhielt, dass gerade er bei seinem sonst so rigorosen Vorgehen gegen die Catilinarier einen so schwer belasteten Mann verteidige, zerpflückt mit größter advokatischer Kunst die gegnerischen Argumente und tritt vor allem dem Vorwurf, er übe ein „Willkürregime“ (regnum) in diesen Prozessen, wirkungsvoll entgegen. Das so entstandene rhetorische Meisterstück ist auch in dem vielfach grundlegenden Kommentar von D.H. Berry (Cambridge 1996) noch nicht hinreichend gewürdigt worden. Zur Lösung steht auch die Frage an, ob Eduard Meyer Recht hatte, wenn er von Ciceros Rede sagte, sie „so durch und durch verlogen [...], daß man von seinen Behauptungen immer das Gegenteil als richtig annehmen kann“.

Der Text ist bequem zugänglich im 6. Band der Oxfordausgabe von A.C. Clark / G. Peterson (1901-1911) und der Teubner- (Saur-) Ausgabe von H. Kasten, ³1966. Zum Verständnis auch: C.P.Clark, Form as argument in Cicero’s speeches: A study of dilemma, Atlanta, Georgia 1993.



Colloquium Latinum: De Terenti Adelphis
1st., Mo 14-15 Uhr

Wie in den vergangenen Semestern gilt, dass zum Besuch des Colloquium auch diejenigen  Studenten eingeladen sind, die nicht selber reden, sondern nur hören wollen. Besonders auch Studienanfänger sollten sich angesprochen fühlen.
Terenti autem Adelphos non satis commendare vobis possum. Neque enim ulla e poetae comoediis tam spectare ad nostram quoque vitam videtur. Agitur autem de quaestione sane gravissima, quae etiam nunc parentes magistrosque vexat: utrum magis severitate et castigando an lenitate et obsequendo puerorum animi ad bonos mores conformari et educari possint. Audite quid Terentius de his rebus sentiat et quam plurimi venite!

Si quis commodissimum aditum ad Adephos quaerit, ei ut sibi comparet hunc libellum suaserim: Thomas Meyer / Wolfgang Flurl (ed.), Terenz: Die Brüder, Bamberg ²1997 (= ratio Bd. 6, C.C. Buchners Verlag). Haec editio sic ad usum scholarum accommodata est, ut omnia verba minus usitata in paginae parte inferiore Germanice vertantur et explicentur.


Sommersemester 2004


Vorlesung: Die römische Liebeselegie
                           
2std., Mo 12-13, Mi 12-13, Beginn: 21.4.04
Mo Hörsaal B 09, Mi Hörsaal 218

Seit einem bahnbrechenden Aufsatz von Felix Jacoby am Anfang des vergangenen Jahrhunderts hat sich, durch neuere Entdeckungen nicht widerlegt, die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich bei der Liebeselegie um eine in hohem Maß originelle literarische Schöpfung der Römer handelt: In provozierendem Gegensatz zu dem traditionellen, von Disziplin und Hingabe an den Staat gekennzeichneten Lebensideal der führenden Schicht haben junge Dichter der spätrepublikanischen und frühaugusteischen Zeit ein Dasein in der Liebe als die von ihnen gewollte Lebensform ausgegeben. Dabei stellen sie, zumindest der ursprünglichen Idee nach, den Typus eines Liebhabers dar, der sich den Launen seiner Herrin (domina), obwohl diese sozial unter ihm steht, geradezu willenlos ausliefert und auch seine elegische Dichtung nur in ihren Dienst stellen darf.
In der Vorlesung werde ich einen kurzen Überblick über die Geschichte der griechischen Elegie und das elegische Werk Catulls, als des wichtigsten Vorläufers der eigentlichen, von Cornelius Gallus begründeten Liebeselegie geben. Das Hauptgewicht soll auf der Darstellung der Werke von Properz und Tibull (einschließlich des Corpus Tibullianum) sowie Ovids ‚Amores’ liegen.
 
Empfohlene Texte: Tibull, hg. v. G. Luck, Teubner (Saur) 1988; Properz, hg. v. P. Fedeli, Teubner (Saur) 1984; Ovid: Amores, Medicamina, Ars, Remedia, hg. v. E. J. Kenney, Oxford (OCT) 21994.
Einführende Literatur: F. Jacoby, "Zur Entstehung der römischen Elegie", RhM 60, 1905, 38-105; W. Steidle, "Das Motiv der Lebenswahl bei Tibull und Properz", WS 75, 1962, 100-140; R.O.A.M. Lyne, The Latin love poets: From Catullus to Horace, Oxford 1980; W. Stroh, "Die Ursprünge der römischen Liebeselegie", Poetica 15, 1983, 205-246; N. Holzberg, Die römische Liebeselegie: Eine Einführung, Darmstadt (1990) ²2001.



Lateinisches Hauptseminar: Ovid, Briefpaare der Heroiden
3std., Di 15 s.t.-17.15, Beginn: 20.4.04, Raum 386

Die "Enzyklopädie der Liebe", die Ovid wahrscheinlich in zwölf Büchern noch vor seiner Verbannung zusammenstellte, enthielt neben den drei Büchern Amores, in denen der zeitgenössische Mann quasi mündlich zu Wort kommt, ebenso viele Bücher Epistulae , in denen sich fünfzehn Frauen der griechischen Sagenwelt schriftlich mit ihren meist entlaufenen Liebhabern bzw. Ehemännern auseinandersetzen. Diesen beiden schon aus Ovids Jugend stammenden Corpora, ließ der ältere Dichter drei Briefpaare (wahrscheinlich in zwei Büchern) folgen, in denen jeweils der Mann die Korrespondenz eröffnet, die Frau antwortet. Drei Grundtypen der Liebesbeziehung werden dabei mit ihren spezifischen Problemen dargestellt: das ehebrecherische Verhältnis (Paris/Helena), die geheime Liebschaft der Unverheirateten (Leander/Hero), die legitime Brautwerbung (Acontius/Cydippe). Während die ersten beiden zur Katastrophe führen, wird das dritte Briefpaar von Hochzeit und Happy End gekrönt.
Der dichterische Wert des Werks, das bis heute sogar von manchen für unecht gehalten wird, ist lange unterschätzt worden. Erst in neuerer Zeit bemüht man sich, mit gemischtem Erfolg, um eine wirkliche Würdigung. Im Seminar sollen die drei Briefpaare gleichmäßig durchinterpretiert werden; den Teilnehmern wird empfohlen, sich auch mit den Einzelbriefen vertraut zu machen.
 
Die Interpretationsreferate sollen jeweils zwei Teile enthalten:
1.    Gesamtinterpretation eines größeren Abschnitts (etwa 100 Verse);
2.    Detaillierte Interpretation eines daraus genommenen kürzeren Abschnitts (etwa 30 Verse nach freier Wahl), mit Übersetzung, Textkritik, sprachlicher und sachlicher Einzelerläuterung, metrischer Analyse.
Am Donnerstag, 12. Februar, findet in meinem Dienstzimmer (383) um 15 Uhr s.t. eine (unverbindliche) Vorbesprechung statt, bei der auch schon Referate übernommen werden können. Weitere Themen können in der vorlesungsfreien Zeit (außer August) telefonisch (08161/64046) oder in der Feriensprechstunde vereinbart werden.

Ausgaben und Kommentare:
A. Palmer, Heroides, Oxford 1898, ND 1967 (mit Komm.); H. Dörrie, Epistulae Heroidum, Berlin/N.Y.1971 (ausführl. Apparat); G. Showerman/G.P. Goold, Heroides and Amores, Cambridge Mass./London 21977 (zweispr.); G. Rosati, Lettere di eroine, Mailand 1989 (zweispr., ohne App.); B.W. Häuptli, Liebesbriefe, Zürich (Darmstadt) 1995 (zweispr., ohne App.); E.J. Kenney, Heroides XVI-XXI , Cambridge 1996; G. Rosati, Heroidum epistulae XVIII-XIX, Florenz 1996 (mit Komm.); P. Fornaro, Heroides, Turin 1999 (zweispr.)
Literatur:
W. Kraus, "Die Briefpaare in Ovids Heroiden", WS 65, 1950/51, 54-77 (ND in: M. v. Albrecht/E. Zinn [Hrsg.], Ovid, Darmstadt 1968, 269-294); B. Latta, Die Stellung der Doppelbriefe (Heroides 16-21) im Gesamtwerk Ovids, Diss. Marburg 1963, U. Fischer: Ignotum hoc aliis ille novavit opus [...], Diss. Berlin 1969; C.M. Hintermeier, Die Briefpaare in Ovids Heroides: Tradition und Innovation , Stuttgart 1993 (= Diss. Saarbrücken 1992); M. Beck: Die Epistulae XVIII und XIX des Corpus Ovidianum: echtheitskritische Untersuchungen , Paderborn u.a. 1996 (= Diss. Bonn 1995). Neuere Lit. zu Ovid allgemein erschließt jetzt: B. Weiden Boyd (Hg.), Brill’s Companion to Ovid , Leiden u.a. 2002.

 
Übung (auf der Stufe des Oberseminars) zur Interpretation lateinischer Texte
2 std., Mo 17-19, Beginn: 19.4.04, Hörsaal 122

Die Übung dient in gewohnter Weise der Vorbereitung auf die Interpretationsklausur im Staatsexamen, ist also an den sogenannten Leitlinien orientiert. Insgesamt zehn Texte aus verschiedenen Epochen und Gattungen der römischen Literatur werden behandelt werden, drei davon in einer jeweils vierstündigen Klausur (15 – 19 Uhr).
Als ordentliche Teilnehmer sind alle zugelassen, die beim nächsten Termin Examen machen und noch keinen derartigen Kurs (als ordentliche Teilnehmer) besucht haben. Gäste sind willkommen. Als Klausurtermine bitte ich vorzumerken: 10.5., 7.6., 12.7.


Colloquium Latinum.
De Ovidi Artis amatoriae libro primo
1 std., Mo 14-15, Beginn: 19.4.04, Raum 321

Wie in den vergangenen Semestern sind auch diesmal besonders Studienanfänger eingeladen, sich durch Teilnahme am Colloquium einen Zugang zum Latein als lebendiger Sprache zu verschaffen. Die Erfahrung lehrt, dass schon durch bloßes Zuhören – nemo loqui cogetur – die Fähigkeit des Textverstehens und damit Übersetzens entscheidend verbessert wird. Et quam saepe, qui tacere voluit, subito loqui coepit!
Quod autem de Arte amatoria disputare in animo est, id nemo negabit esse utilissimum. cuius in primo libro Ovidius et ubi inveniantur et quomodo capiantur puellae iucunde ac iocose exponit. quodsi quis proprio usu experientiaque doctus meliora praecepta novit, ea rogabitur ut communicet, ut omnibus prodesse possint.
Venite, discite, gaudete!

Commendatur hic liber:
Ovidi Amores, Medicamina, Ars, Remedia, ed. E. J. Kenney, Oxonii (OCT) 21994.



Wintersemester 2003/4


Vorlesung: Bayerns größter Dichter: Jacobus Balde (1604-1668), 2st., Mi 11-13 Uhr

Im kommenden Jahr feiern wir den 400. Geburtstag Jacob Baldes, der in  seinem Jahrhundert der weltweit berühmteste Dichter Deutschlands gewesen sein dürfte und der heute nur darum minder bekannt ist als etwa ein Gryphius oder Paul Gerhardt (die seinerzeit eher provinziell schienen), weil er Latein und zwar ein höchst kunstvolles Latein geschrieben hat. Kein anderer Schriftsteller in Altertum, Mittelalter oder Neuzeit hat wie er den gesamten Kosmos der existierenden Literaturgattungen durchschritten – zu Unrecht preist man ihn heute fast ausschließlich als Lyriker – und dabei noch vieles Neue und Eigene dazu erfunden: An Originalität und Kreativität dürfte ihm überhaupt nur noch Goethe zu vergleichen sein. Jedenfalls sollte kein bayerischer Lateinlehrer vor seine Klasse treten, ohne über diesen großen Landsmann etwas Bescheid zu wissen.
    In München, wo Balde am Hofe Kurfürst Maximilians I. seine wichtigsten Werke geschrieben hat, werden Studien zu ihm seit hundertfünfzig Jahren getrieben, an unserem Institut seit rund einem Vierteljahrhundert. Höchste Zeit, im Jubiläumsjahr einmal Bilanz zu ziehen und besonders zur Einführung für Anfänger einen Überblick über das gewaltige Werk und den Stand seiner derzeitigen Erforschung zu geben. Die Vorlesung wird chronologisch dem Leben folgen, wodurch auch das Jahrhundert des gerade für München verhängnisvollen Dreißigjährigen Kriegs lebendig werden soll. Da die Texte (die allen wichtigen Werken entnommen sein werden) auch übersetzt werden sollen, sind besonders auch Germanisten, Komparatisten, Historiker und Theologen als Hörer willkommen.

Ausgabe:Opera omnia, 8 Bde., München 1729 (Ndr.: Frankfurt/M. 1990, mit Einl. v. W. Kühlmann / H. Wiegand). Auswahl: M. Wehrli (Hrsg.), J. Balde, Dichtungen, lat.-dt., Köln / Olten 1963. Zur Einführung: G. Westermayer, Jacob Balde, sein Leben und seine Werke, München 1868, Ndr. Amsterdam / Maarssen 1998 mit Nachwort von W. Stroh und Bibliographie von W. Beitinger / W. Stroh, ständig überarbeitet in: www.klassphil.uni-muenchen.de/~stroh/balde_lit.htm). Klassische Würdigung: J.G. Herder, Terpsichore, 1795/96 (in: Sämmtl. Werke, Bd. 87, Berlin 1881): Letzte wichtige Beiträge: E. Schäfer, Deutscher Horaz, Wiesbaden 1976; J.-M. Valentin (Hrsg.), Jacob Balde und seine Zeit, Bern u.a. 1986; A. Heider, Spolia vetustatis, München 1992 (Marienlyrik); Peter L. Schmidt, Traditio Latinitatis, Stuttgart 2000 (Verschiedenes); V. Lukas, Batrachomyomachia, München 2001; E. Lefèvre (Hrsg.), Balde und Horaz, Tübingen 2002.


Lateinisches Oberseminar:
Jacobus Balde, Expeditio polemico-poetica (1664), 2st., Mo 15-17 Uhr

Wie Balde seine Karriere als Lateindichter und –lehrer mit einem großen Werk (Regnum poetarum, 1628) begonnen hatte, in dem zwölf verschiedene römische Dichter Themen des Dreißigjährigen Kriegs je in ihrem Stil zu behandeln hatten, so lässt er gegen Ende seines Schaffens noch einmal die Größen der lateinischen Literatur in seinem „Kriegerisch-poetischen Feldzug“ (München 1664), einem kleinen satirischen Roman, Revue passieren. Ursprünglich sind es nach seiner drolligen Fiktion nur die neulateinischen Dichter, die, unter dem Oberkommando des Petrarca, die „Burg der Dummheit bzw. Unwissenheit“ (Arx Ignorantiae ) zu erstürmen versuchen; da sie dies aber allein nicht schaffen, rufen sie sich die antiken Poeten, Vergil an der Spitze, zu Hilfe, die nun jeweils ihren Gattungen und Charakteren entsprechend Gelegenheit haben, sich im Kampfe auszuzeichnen. Die Expedition endet zwar nicht wie das Hornberger Schießen, wohl aber ähnlich wie der Irakkrieg: Die Eroberung gelingt, jedoch der Hauptfeind, die Ignorantia, entkommt (und so weilt sie, darf man annehmen, noch immer unter uns ...).
Das Werk verbindet in köstlicher Weise Humor und Gelehrsamkeit; es zeigt uns, wie in der frühen Neuzeit ein hochgebildeter Literaturkenner sowohl die neulateinischen als besonders auch die altrömischen Dichter gesehen hat und gibt so einen neuen und überraschenden Zugang zu deren Verständnis.
Ordentliche Teilnehmer am Oberseminar sollten bereits ein Hauptseminar erfolgreich besucht haben. Gäste sind willkommen; niemand, der Interesse hat, sollte sich ausgeschlossen fühlen. Texte werden von Beginn der vorlesungsfreien Zeit an zugänglich gemacht werden.

Vgl. die oben zur Vorlesung angeführte allgemeine Literatur zu Balde. Text nachgedruckt in: J. B., Opera omnia, 1729, Bd. 6, 433-475. Zur Erläuterung: Peter L. Schmidt, „‘The Battle of Books‘ auf Neulatein: Jakob Baldes ‚Expeditio polemico-poetica‘“, in: P.L. Sch., Traditio Latinitatis, 2000, 340-355 (zuerst in AU 27,6,1984).


Lateinisches Hauptseminar: Cicero, Pro Plancio, 3st., Di 15-17.15 Uhr

Ciceros im Jahr 54 v.Chr. gehaltene Rede für den damals zum kurulischen Ädilen gewählten (und wegen eben dieser Wahl gerichtlich belangten) Cn. Plancius ist nicht nur ein rednerisches Meisterwerk, in dem Cicero alle Kräfte der Erfindung und vor allem der Emotion zur Verteidigung eines alten Freunds und Helfers einsetzt, sie gibt uns auch einen einzigartigen Einblick in die Technik des römischen Wahlkampfs und seiner ausgeklügelten Machenschaften zur Wählerbestechung. Die von Crassus ein Jahr zuvor geschaffenene Lex Licinia de sodaliciis, nach welcher der Prozess geführt wurde, betraf nämlich eine besonders gefährliche Methode der Wahlbeeinflussung, bei der sich verbündete Kandidaten gegenseitig Zweitstimmen zuschanzten und mit Hilfe einer Art von Clubs die Bestechung entscheidender Persönlichkeiten bzw. Multiplikatoren organisierten und sicherstellten.
Die Teilnahme am Hauptseminar setzt also ein gewisses Interesse an historischen und  juristischen Fragen voraus; wer dieses und Freude an Rhetorik hat, findet reiche und dankbare Möglichkeiten auch zu selbständiger Forschung. Referatthemen können vom Ende des Sommersemesters an vereinbart werden (stroh@klassphil.uni-muenchen.de). Spätestens zu Beginn des Semesters liegt eine ausführlichere Bibliographie vor. Eine unverbindliche Vorbesprechung findet am Donnerstag, dem 10. Juli, 14 Uhr c.t in meinem Büro (Zi. 383, Adalberttrakt) statt.

Text: A.C. Clark, Cic. Orationes, Bd. 6, Oxford 1911 (Ndr.); P. Grimal, Paris 1976; jetzt maßgeblich: E. Olechowska, Leipzig (Teubner) 1981 (mit Rab. Post.). Kommentare: E. Wunder, Leipzig 1830 (noch immer überragend); E. Köpke / G. Landgraf, Leipzig ³1887. Zur Erläuterung: W. Kroll: „Ciceros Rede für Plancius“, RhM 86, 1937, 127-139 (auch zur Einführung); L. Ross Taylor, Party politics in the age of Caesar, Berkeley 1949; C. Venturini, „L’orazione pro Cn. Plancio e la lex Licinia de sodaliciis”, in: Studi Sanfilippo , Mailand 1984, 787-804; J. Adamietz, „Ciceros Verfahren in den Ambitus-Prozessen gegen Murena und Plancius“, Gymnasium 93, 1986, 102-117; C.P. Craig, Form as argument in Cicero’s speeches, Georgia 1993; Cl. Loutsch, L’exorde dans les discours de Cicéron, Brüssel 1994 (mit Lit.).


Colloquium Latinum: De Ciceronis oratione pro Milone habita, 1 st., Mo 14-15 Uhr

Wie in früheren Semestern sind auch diesmal Studenten willkommen, die nur zuhören wollen. Erfahrungsgemäß verändert schon das bloße Hören die Einstellung zu lateinischen Texten und fördert ein unmittelbares, natürliches Sinnverständnis. So sollten besonders auch Studienanfänger sich angesprochen fühlen.
Quod autem orationem Milonianam elegi, id feci, quod illo opere Cicero non solum ceteros oratores, sed etiam sese ipsum superavit: neminem umquam ardentius et callidius pro reo dixisse credideris. neque eius gloria eo valde minuitur, quod ut Milo absolveretur non effecit. nam et nimis manifesta illius culpa erat, cuius iussu servi Clodium inimicum trucidavissent, et turba quaedam clamatorum Ciceroni tum obstrepebat, ut solita constantia dicere non posset. oratio vero quam scriptam legimus omnibus numeris perfecta atque absoluta est.
Venite, audite, disputate!

Commendantur: A.C. Clark (ed.), Cic. or., vol. 2, Oxonii ²1918 (et saepius); K. Halm / G. Laubmann (ed.), Berolini 101899 (cum comm.); K. Ziegler / H.A. Gaertner (ed.), Heidelberger Texte, ²1977; P. Fedeli (ed.), Venetiis 1990 (cum versione et comm.).


Sommersemester 2003

Forschungsfreisemester


Wintersemester 2002/3

Vorlesung I: De Romanorum philosophia (in lateinischer Sprache), 1std., Di 12-13

Die Vorlesungen, die ich seit einigen Semester in lateinischer Sprache anbiete, sollen sowohl der Verlebendigung des Lateinlernens durch einen auditiven Zugang dienen – angestrebt ist eine ebenso einfache wie doch stilistisch korrekte Ausdrucksweise – als auch einen (von Studenten oft vermissten) Überblick über Hauptgebiete der römischen Literatur bieten.-
Graecorum philosophiam Romani sero, sed serio amplexi sunt. Ac primus quidem Ennius Annalibus suis nonnulla e Pythagoreorum disciplina admiscuit; tum Varro in Saturis Menippeis multa ex intima philosophia hausisse traditur. Maxime autem haec studia aucta sunt a Cicerone Academico, qui et dialogis ad imitationem Platonis factis et plurimis scriptis aliis paene omnes philosophiae partes explicavit. Contra Lucretius Epicureus sat habuit rerum naturam, i.e. physicam siue philosophiam naturalem, carmine didactico pertexere. Postea Seneca disciplinam Stoicam paene totam  - nam unam logicam minus curavisse videtur – scriptis suis disertissime illustravit. De his igitur scriptoribus praecipue agendum erit; nec tamen Apuleium Platonicum Christianosque philosophos, inter quos Augustinus eminet, negligemus.
Venite auresque arrigite!

Hos libros commendo: H. Flashar (ed.), Die Philosophie der Antike, vol. 4: Die hellenistische Philosophie, Basileae 1994; Fr. Ricken (ed.), Philosophen der Antike II, Stutgardiae & al. 1996;  M. Griffin / J. Barnes (edd.), Philosophia togata, Oxonii 1989; J. Barnes / M. Griffin (edd.), Philosophia togata II, Oxonii 1997.


Vorlesung II: Vergil, 2 std., Mi 11-13

Vergil haben die Römer sogleich als ihren Nationaldichter empfunden und geliebt, als den, von dem sie ihr eigenes Wesen und ihre Werte am vollkommensten verstanden und dargestellt glaubten. Spätere sahen in ihm einen Universaldichter, der vom Hirtenleben (Bucolica) über die Landwirtschaft (Georgica) bis zur hohen Politik (Aeneis) die Geschichte der Menschheit und das gesamte Menschsein gültig gestaltet habe. Heute rührt er uns vor allem durch seine Humanität und das Mitgefühl, das er in allen drei Werken dem leidenden Menschen entgegenbringt; und als unvergleichlich empfinden wir wie schon die antiken Leser den Zauber seiner Verse.
In der Vorlesung soll das Gesamtwerk möglichst gleichmäßig dargestellt werden. Der Besitz einer lateinischen Vergilausgabe wird erwartet.

Empfohlener Text: R.A.B. Mynors, Oxford Classical Texts 1969 (Ndr.).
Kommentare: W. Clausen, Vergil Eclogues, Oxford 1994; R.A.B. Mynors, Virgil Georgics, Oxford 1990; R.D. Williams, The Aeneid of Virgil, 2 Bde., London 1972/3
Literatur: R. Heinze, Virgils epische Technik, Leipzig (1903) 31915 (Ndr.); F. Klingner, Virgil, Stuttgart 1967; M. Giebel, Vergil, Reinbek 1986 (rororo bildmonographien); W. Suerbaum, Vergils Aeneis, Stuttgart 1999
(Weitere Literaturhinweise)
 

Lateinisches Proseminar: Vergil, Aeneis IV, 2 std., Di 15-17

Schon in der Antike wurde kein Buch der Aeneis auch in der Schule so gerne gelesen wie das vierte, in dem die historische Mission des Aeneas durch ein Liebesabenteuer gefährdet wird: Dido, die Hauptheldin des Buches, gilt überhaupt als bedeutendster Beitrag der Römer zum Personal der Weltliteratur; mit außerordentlicher Feinheit hat Vergil ihren Charakter gezeichnet und ihren schließlichen Selbstmord motiviert. Die Darstellung des Konflikts zwischen Pflicht und Neigung, überpersönlichem Auftrag und individuellem Glücksstreben, dürfte überhaupt ein Novum in der Literaturgeschichte sein.
Im Proseminar soll das Buch kontinuierlich durchinterpretiert werden. Anfänger sollten jeweils ein Interpretionsreferat anfertigen; wer schon ein Proseminar besucht hat, kann auch ein allgemeineres Thema wählen (Absprache ist telefonisch möglich: 2180-3421 oder per e-mail: stroh@klassphil.uni-muenchen.de). Am Freitag, 19 Juli, 14 Uhr, findet in meinem Büro (Raum 383) eine kurze und unverbindliche Vorbesprechung statt.

Text und Literatur: vgl. oben zur Vorlesung, Vergil
R.C. Monti, The Dido episode and the Aeneis, Leiden 1986
Spezialkommentare zum 4. Buch: A.S. Pease, Cambridge, Mass. 1935 (Ndr.), R.G. Austin, Oxford 1955
Zum Nachleben: E./G. Binder (Hrsg.), P.Vergilius Maro: Dido und Aeneas, Stuttgart (Reclam) 1991, S. 155-164 (Werklisten und Literatur)


Übung (auf der Stufe des Oberseminars) zur Interpretation lateinischer Texte, 2 std., Mo 15-17 Uhr
 
Wie üblich soll in jeder Sitzung ein anderer Text, abwechselnd aus Prosa und Dichtung, behandelt werden. Die vierstündigen Klausuren (15-19 Uhr) sind für die Examenskandidaten gedacht. Ich bitte, folgende Termine vorzumerken: 28. Okt., 25. Nov., 16. Dez. 02, 27. Jan. 03.


Colloquium Latinum: De Senecae Epistulis moralibus, 1std., Mo 14-15

Wie in den vergangenen Semestern sind im Colloquium Latinum auch Studenten willkommen, die ihre Teilnahme auf passives Hören beschränken möchten. Besonders auch Studienanfänger, die einen neuen, unmittelbaren Zugang zur lateinischen Sprache suchen, sollten sich angesprochen fühlen.
Epistulas morales autem quid vobis commendem? Nemo ex antiquis philosophis hac nostra aetate tot habet lectores quot Seneca noster: quem non tam propter curiositatem aliquam legere homines solent quam ut viam rationemque beate vivendi inveniant. Nec paucis ille, qui malis doloribusque oppressi erant, solacia afferebat. De hoc igitur philosopho tam utili quam iucundo ita disputare iuvabit, ut singulis scholis singulas epistulas tractemus. Incipiemus autem a prima. Venite!

Commendatur: L.D. Reynolds (ed.),  Senecae Epistulae morales, Oxonii 1965 (et saepius)


Sommersemester 2002

Vorlesung: Horaz, 2 st., Mi 11-13 Uhr

„Exegi monumentum aere perennius“: sich „ein Denkmal dauernder als Erz errichtet“ zu haben (carm. 3, 30, 1), glaubte der größte römische Lyriker, Horaz, als er im Jahr 23 v.Chr. seine aus drei Büchern bestehende erste Odensammlung veröffentlichte – ein Werk von einem in Rom bis dahin unerhörten Kunstanspruch -, und er hat sich in diesem stolzen Glauben sogar noch zu seinem Vorteil verrechnet. Während er selber nämlich das Fortleben seines Ruhms an die Dauer des Imperium Romanum und des römischen Staatskults knüpfte – „dum Capitolium scandet cum tacita virgine pontifex“ (V. 8f.) -, sehen wir heute, dass sein Werk  das alte römische Reich wie noch dessen Nachfahren sieghaft überdauert hat. Auch wenn Horaz in der Antike nie ganz die Popularität des Nationaldichters Vergil erreichen konnte und wenn er zur Zeit auch im Schulunterricht gegenüber leichterer Kost wie Catull und Ovid ein wenig zurücktritt, seine Sprachkunst schlägt noch heute jeden in Bann, der für den Reiz der lateinischen Sprache empfänglich ist. Horaz hat ihre Möglichkeiten wie kein anderer ausgenutzt, in der kalkulierten Lässigkeit seiner Sermonendichtung wie in der hochartifiziellen Wunderwelt seiner lyrischen Carmina. Aber mehr als bei anderen römischen Dichtern braucht bei ihm der heutige Student Lehrveranstaltungen, die ihm den Zugang zu diesen Meisterwerken erschließen.
In der Vorlesung werde ich einen gleichmäßigen Überblick über das Gesamtwerk in chronologischer Folge geben; besonderes Augenmerk dabei wird dem Verhältnis zur politischen und kulturellen Entwicklung Roms (von der Ermordung Caesars bis zu den Ludi  saeculares des Augustus) gelten. Literarhistorischer Überblick und exemplarische Einzelinterpretationen sollen in ausgewogenem Verhältnis stehen.

Vorausgesetzt wird beim Hörer der Besitz einer vollständigen lateinischen Textausgabe (immer noch empfehlenswert: die Teubnerausgabe von Friedrich Klingner, Leipzig 3 1959 = 5 1970; auch die Oxfordausgabe und die neueren Teubner-[jetzt: Saur-]Ausgaben von St. Borszák, 1984, und D.R. Shackleton Bailey, 1985, lassen sich verwenden). Unübertroffen bleibt der Kommentar von A. Kießling und R. Heinze (Oden und Epoden, Berlin 7 1930; Satiren, 5 1921; Episteln, 4 1914, jeweils mit Nachdrucken). Nützlich auch: H.P. Syndikus: Die Lyrik des Horaz, 2 Bde., Darmstadt (1972/3) 2 2001 (Gesamtinterpretation).
Sonstige (bes. zur Einführung) empfohlene Lektüre: E. Fraenkel, Horace, Oxford 1957 (deutsch: Darmstadt 1963); F. Klingner, Römische Geisteswelt, München 5 1965 (Ndr. 1970), 327-418; B. Kytzler: Horaz: eine Einführung, München/Zürich 1985; E. Lefèvre: Horaz: Dichter im augusteischen Rom, München 1993; Bimillenario della morte di Q. Orazio Flacco: Atti del Convegno di Venosa 8-15 nov. 1992, Venosa 1993; H. Krasser (Hrsg.): Zeitgenosse Horaz, Tübingen 1996.
(Weitere Literaturhinweise)


Vorlesung (in lateinischer Sprache): De arte poetica, 1 st., Di 12-13 Uhr

Die Vorlesungen, die ich seit einigen Semester in lateinischer Sprache anbiete, sollen sowohl der Verlebendigung des Lateinlernens durch einen auditiven Zugang dienen – angestrebt ist eine ebenso einfache wie doch stilistisch korrekte Ausdrucksweise – als auch einen (von Studenten oft vermissten) Überblick über Hauptgebiete der römischen Literatur bieten. Nach einer Literaturgeschichte in zwei Semestern und einer Einführung in die Rhetorik folgt nun in „De arte poetica“ eine Gesamtdarstellung der antiken Dichtungstheorie, vor allem in Bezug auf die Hauptgattungen.
    De arte poetica non solum Aristoteles Horatiusque scripserunt, sed etiam poetae in carminibus ipsis multa professi sunt. Quorum testimonia colligemus adhibitis etiam grammaticis Latinis, qui multa utilia addiderunt. Sic omnium litterarum veterum quasi imago quaedam adumbrabitur. Venite et discite!

Hos libros commendo: W. Kroll, Studien zum Verständnis der römischen Literatur, Stutgardiae 1924 (iter. 1964); D.A. Russell / M. Winterbottom (ed.): Ancient literary criticism, Oxonii 1972; M. Fuhrmann, Einführung in die antike Dichtungstheorie, Darmstadii 1973 (et saepius); N. Rudd (ed.): Horace, Epistles Book II and Epistle to the Pisones, Cantabrigiae 1989.

 
Lateinisches Oberseminar (zugleich: Rechtshistorisches Seminar), mit Prof. Bürge und Prof. Nörr, 2 st., Di 18-20 Uhr (Bibliothek des Leopold-Wenger- Instituts)

Behandelt wird in diesem interdisziplinären Seminar Ciceros früheste Prozessrede, ein ebenso schwieriges wie sachlich und stilistisch interessantes Werk. Ciceros Mandant Quinctius hatte in einem Rechtsstreit mit seinem früheren Geschäftspartner Naevius von der Popularenherrschaft in den Achtziger Jahren profitiert. So konnte eine gegen Quinctius von Naevius eingeleitete Zwangsvollstreckungsmaßnahme (die sog. missio in bona) nicht vollständig durchgeführt werden. Nach der Wiederherstellung des aristokratischen Staats durch den Diktator Sulla sah sich nun Quinctius seinerseits einer gewissen Verfolgung ausgesetzt: Sollte der jetzt eingesetzte Richter erkennen, dass seine Güter damals ex edicto praetoris dreißig Tage besetzt waren, würde er „infam“, was neben dem Gesichtsverlust gravierende rechtliche Nachteile hätte. So erklärt sich die für einen Zivilprozess ungewöhnliche Leidenschaftlichkeit in der Rede des jungen Anwalts Cicero.
    Da das Seminar, in dem vor allem die sehr umstrittenen Rechtsprobleme im gemeinsamen Bemühen von Juristen und Philologen geklärt werden sollen, allen lateinkundigen Jurastudenten vom zweiten Semester an offensteht, sollte dies grundsätzlich auch für alle interessierten Lateinstudenten gelten. Wer allerdings einen (lateinischen) Oberseminarschein erwerben will, muss natürlich die Zwischenprüfung abgelegt und er sollte möglichst schon ein lateinisches Hauptseminar besucht haben.

Maßgeblicher Text: M.D. Reeve, Leipzig (Teubner, jetzt Saur) 1992. Komm. (vorwiegend philologisch): T.E. Kinsey, Sidney 1971; wertvolle lat.-ital. Ausgabe von V. Arangio Ruiz, Mailand (Mondadori) 1964 (mit jurist. Erläuterungen).
 
 
Lateinisches Hauptseminar: Horaz und Balde, 2 st., Mo 15-17 Uhr

Unter allen Nachahmern, die Horaz in der Neuzeit gefunden hat, war der wohl Bedeutendste und Genialste der neulateinische Dichter Jacobus Balde S.J.(1604-1668), der in seinem Jahrhundert überhaupt der international bekannteste Dichter Deutschlands gewesen sein dürfte (und der nur darum heute fast vergessen ist, weil er lateinisch geschrieben hat). Er hat in seiner Münchner Zeit, als Hofprediger und Hofhistoriograph bei Kurfürst Maximilian I. in Dienst, ein Horaz übersteigerndes Großwerk von 4 Büchern Lyrica mit einem Buch Epoden (1643) sowie 9 Büchern Sylvae (1643/1647) geschaffen, in dem analog zu Horaz sowohl die großen Themen der Zeit (besonders im Zusammenhang des Dreißigjährigen Kriegs) als auch die überzeitlichen Probleme des rechten menschlichen Lebens und Zusammenlebens, der Philosophie, Religion und vor allem auch Literatur, berührt wurden. Die Stelle der horazischen Liebeslyrik vertrat dabei eine höchst innige, aber mitunter an die Grenzen des Frivolen gehende Mariendichtung. In späteren Jahren wandte sich Balde auch der Satire zu und verfasste mit seiner Verspottung der zeitgenössischen Medizin (Medicinae Gloria, 1651) und des modischen Tabakrauchens (Satyra contra abusum Tabaci, 1657) vielbewunderte Meisterwerke, die ihm dann auch den Titel eines „Teutschen Horatius“ (S. von Birken) einbrachten, der bis heute geblieben ist.
    Die Beschäftigung mit Balde hat an unserem Institut eine Tradition von nun schon mehr als zwanzig Jahren; neuerdings findet sie ihren Niederschlag auch in den seit 1999 erscheinenden „Münchner Baldestudien“. In diesem Hauptseminar soll es aber nicht nur um ihn, sondern auch um sein Vorbild Horaz selber gehen. Eine besondere Rolle werden dabei die vom Horazbewunderer Johann Gottfried Herder verfassten Baldeübersetzungen spielen (1795/6), die Balde den Dichtern der deutschen Klassik und Romantik erschlossen haben. So dürfte das Seminar auch für Germanisten und vergleichende Literaturwissenschaftler (Komparatisten) von Interesse sein, ganz besonders aber für Latinisten, die (auch für weitere Betätigung) nach Themen suchen, die es ermöglichen, auf wenig erschlossenem Gebiet selbständig zu forschen und sich dabei mit Werken weltliterarischen Rangs zu befassen. Referatthemen können schon in den Ferien vereinbart werden (089/2180-3421; stroh@klassphil.uni-muenchen.de); eine (unverbindliche) Vorbesprechung findet am Donnerstag, 7. 2. 2002, in meinem Dienstzimmer (383) statt.

Werke: Opera omnia, München 1729, neu hrsg. von W. Kühlmann u. H. Wiegand, Frankfurt a.M. 1990; Dichtungen, lat. u. dt. v. M. Wehrli, Köln & Olten 1963. Literatur: G. Westermayer, Jacob Balde sein Leben und seine Werke, München 1968, neu hrsg, v. H. Pörnbacher u. W. Stroh, Amsterdam 1998. E. Schäfer: Deutscher Horaz, Wiesbaden 1976. B. Promberger: Die Enthusiasmen in den lyrischen Werken Jacob Baldes von 1643, Diss. München 1997 (Microfiche und masch.); A. Heider: Spolia vetustatis, München 1999. Eine vollständige Balde-Bibliographie erschließt man sich über die Internetseite:
www.lrz-muenchen.de/~stroh.

 
Colloquium Latinum: De Latinae linguae pronuntiatione, 1. st., Mo 14-15 Uhr

Wie in den vergangenen Semestern sind im Colloquium Latinum auch Studenten willkommen, die ihre Teilnahme auf passives Hören beschränken möchten. Aber natürlich ist eine Beteiligung an den mit dem Colloquium verbundenen phonetischen Übungen sehr anzuraten. Wegen der grundsätzlichen Wichtigkeit des Gegenstands sollten sich besonders auch Studienanfänger angesprochen fühlen.
Quid enim acturi sumus? Scitis in omni genere litterarum et linguarum homines doctiores primum linguae ipsi studere, nempe curantes ut singulas litteras et verba quam rectissime pronuntient (quam artem phoneticam dicunt): sic faciunt qui Anglico aut Italico aut Francogallico aut alii sermoni operam navant. Qui mos tamen in sermone Latino turpiter neglegitur, cum plurimi in scholis magistri verba more quasi Germanico pronuntient. Nec solum in hoc usu ipso peccant, sed ne sciunt quidem, quomodo Romani veteres pronuntiaverint quibusque e fontibus sive testimoniis id nunc quoque cognoscere possimus. Sed huius morbi remedium hoc colloquio praestare volumus. Initium autem faciemus a singulis litteris, tunc ad syllabas et verba transibimus; denique membra, periodos, etiam versus totos et carmina quam suavissime eloqui conabimur. O quam iucunda res est sermo Latinus, modo recte pronuntietur! Venite et gaudete!

Commendo hos libros: D. Erasmi Roterodami De recta Latini Graecique sermonis pronuntiatione dialogus, ed., transtulit, notis instruxit J. Kramer, 1978; E.H. Sturtevant, The pronunciation of Greek and Latin, 1940 (iter. 1975); W.S. Allen, Vox Latina 1965; W. Stroh, „Kann man es lernen, lateinische Verse zu sprechen?“ (primum 1981), in. W.S., Apocrypha, 2000, 245-261.



Wintersemester 2001/2

Vorlesung: Ciceros Gerichtsreden 2st., Mi 10-12 Uhr, Beginn 17. 10. 2001

Antike Rhetorik ist zum allergrößten Teil Gerichtsrhetorik; aus den Bedürfnissen des Prozessierens ist sie im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden, im Gerichtsprozess hat sie immer ihre schönsten Triumphe gefeiert. Auch Cicero, größter Redner Roms, vielleicht der Antike überhaupt, verdankt seine staunenswerte Karriere vor allem einer lebenslang mit Hingabe ausgeübten Tätigkeit als Anwalt.
 Die Vorlesung über seine Gerichtsreden soll somit einen Zugang zur antiken Rhetorik im allgemeinen eröffnen; gleichzeitig wird sie in das römische Prozesswesen und, natürlich mit Einschränkungen, in das römische Recht einführen. Ich werde darum nicht, wie üblich, die Reden im Zusammenhang von Ciceros Leben behandeln, sondern aus didaktischen Gründen systematisch vorgehen. Von den Zivilprozessen kommen wir zu den Strafprozessen, die wiederum nach den einzelnen Vergehen (Mord, Repetunden, Ambitus, Vis usw.) zu gliedern sein werden; so soll auch ein Eindruck von Realitäten der römischen Politik (wie Provinzverwaltung, Wahlkampf, Straßenterror) entstehen. Die Vorlesung, in der keine Kenntnisse vorausgesetzt werden, dürfte auch für Althistoriker und Juristen interessant sein.

Literatur: Die beste Gesamtausgabe von Ciceros Reden ist immer noch die von A.C. Clark und W. Peterson, 6 Bde., Oxford 1901-1911 (Ndr.). Einen ersten Zugang zu Cicero geben: M. Giebel, M. Tullius Cicero in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek (Rowohlt Monographien) 1977 und bes. O. Plasberg, Cicero in seinen Werken und Briefen, Leipzig 1926 (Ndr.); zur Rhetorik: M. Fuhrmann, Die antike Rhetorik - eine Einführung, München/Zürich 1984; speziell zu Ciceros Gerichtsreden: Chr. Neumeister, Grundsätze der forensischen Rhetorik, gezeigt an Gerichtsreden Ciceros, München 1964; W. Stroh, Taxis und Taktik: die advokatische Disposition in Ciceros Gerichtsreden, Stuttgart 1975; zu Prozess und Recht: W. Kunkel, Römische Rechtsgeschichte, Köln/Wien 121990; J.-M. David, Le patronat judiciaire au dernier siècle de la république romaine, Rom 1992, 3-45; O.F. Robinson, The criminal law of ancient Rome, Baltimore, Maryland 1998.
(Weitere Literaturhinweise)
 

Vorlesung: De arte rhetorica, 1st., Di 12-13 Uhr, Beginn 16. 10. 2001

De arte rhetorica quamquam optime scripserunt Aristoteles, Cicero, multi alii, nemo tamen subtilius atque illustrius egit quam Quintilianus in Institutione oratoria, quae etiam apud posteros usque ad haec tempora semper plurimum valuit. Eum igitur ut ducem sequar, quantum potero, cum omnes partes eius artis vobis ita explicabo, ut ordine tradito ab inventione ad dispositionem, deinde ad elocutionem, memoriam, actionem veniam. Curabo autem ut eae res verbis dilucidis et quam simplicissimis vobis exponantur, id quod Latino sermone commodissime fiet. 
Venite et audite!
 

Lat. Proseminar: Quintilian, Institutio oratoria I, 2st., Di 15-17 Uhr, Beginn 16. 10. 2001

Quintilian, der unübertroffene Meister der Rhetorik, hat seinen großen Lehrgang nicht auf deren System im engeren Sinn beschränkt; im ersten Buch behandelt er als Grundlage des rhetorischen Unterrichts die diesem vorausgehende sprachliche und enzyklopädische, dabei auch sittliche Erziehung des Kindes, vor allem beim Grammaticus. So entstand das wohl schönste Handbuch der Pädagogik, das wir überhaupt aus dem Altertum besitzen; es gibt uns eine lebensnahe Einführung in das römische Bildungswesen und, nebenbei, in die antike Sprachwissenschaft.
Im Proseminar soll, neben der genauen Interpretation besonders wichtiger Partien, das ganze Buch kursorisch durchgesprochen werden. Gäste, etwa mit speziellem Interesse an antiker Pädagogik oder Linguistik, sind willkommen. Von den ordentlichen Teilnehmern wird die Anfertigung einer kleinen schriftlichen Arbeit erwartet. Themen können schon am Ende des Sommersemesters oder in den Ferien vereinbart werden (089/2180-3421; stroh@klassphil.uni-muenchen.de). Eine kurze, unverbindliche Vobesprechung für Studenten, die jetzt schon an der Teilnahme interessiert sind, findet am Donnerstag, 26. Juli, 14 Uhr s.t. in meinem Büro (383) statt. 

Literatur: Grundlage der wisenschaftlichen Beschäftigung ist Bd. 1 der Oxfordausgabe von M. Winterbottom, 1970. Ein Kommentar zum Gesamtbuch stammt von F.H. Colson, Cambridge 1924; zu den Kapiteln 4-8 gibt es einen Spezialkommentar von Fr. Pini, Rom 1966. Zum römischen Bildungswesen sind bes. instruktiv: S.F. Bonner, Education in ancient Rome, London 1977; T. Morgan, Literate education in the Hellenistic and Roman world, Cambridge 1998. 
 

Lat. Interpretationsübungen (auf der Stufe des Oberseminars): Mo 14-16 Uhr, Beginn 15. 10. 2001

Die Übung dient der Vorbereitung auf die Interpretationsklausur des Staatsexamens. Die Auswahl der Texte soll sich dabei ungefähr am Gang der lateinischen Literaturgeschichte orientieren. Als Termine für die insgesamt vier vierstündigen Übungsklausuren (jeweils 14-18 Uhr) bitte ich vorzumerken: 29. Oktober, 26. November, 17. Dezember, 28. Januar. Ordentliche Teilnehmer können nur diejenigen sein, die im Frühjahr 2001 das Staatsexamen ablegen. Gäste sind aber willkommen.

Literatur: Zur Vorbereitung empfiehlt sich vor allem das Textstudium mit Hilfe guter, aber nicht allzu umfangreicher Kommentare (wie Dziatzko zu Terenz, Kroll zu Catull und Cicero, Kießling/Heinze zu Horaz, Kenney zu Lucrez und Ovid). Anregend sind die (mitunter eigenwilligen) Interpretationen von M. v. Albrecht, Meister römischer Prosa, Tübingen 31995 (UTB), Römische Poesie, Heidelberg 21995; systematische Hilfe gibt G.Maurach, Methoden der Latinistik, Darmstadt 1998; vgl. ders., Lateinische Dichtersprache, Darmstadt 1995.
Einen bequemen Überblick über die römische Literatur (mit Ausnahme der Spätantike) gibt jetzt M. Fuhrmann, Geschichte der römischen Literatur, Stuttgart 1999; wertvoll bleibt durch Fülle wichtigen Stoffs: W. Kroll, Studien zum Verständnis der römischen Literatur, Stuttgart 1924 (Ndr.). Besonders nützlich: H. Görgemanns, Tropen und Figuren, 1981 (bei mir erhältlich, Raum 385, für DM 1.-).
 

Colloquium Latinum: De Vergili Aeneidos libro VI: Mo 16-17 Uhr, Beginn 15. 10. 2001

Wie in den vergangenen Semestern, steht das Colloquium Latinum auch den Studenten (und anderen an der Sprache Interessierten) offen, die nur zuhören wollen: Oft schon wurden so die Grundlagen zu einer beachtlichen Laufbahn als orator Latinus gelegt. Aber auf jeden Fall ist es, auch im Hinblick auf die eigene Textlektüre, nützlich, Latein mit dem Ohr aufzunehmen und unmittelbar (ohne Übersetzung) zu verstehen. Nach der Aussage vieler früherer Teilnehmer eröffnet auch schon die passive Teilnahme am Colloquium einen neuen, unmittelbaren Zugang zu lateinischer Sprache und Literatur.
Ceterum quem non non iuvet disputare de sexto libro Aeneidos, id est communi itinere in ipsa Orci penetralia descendere. Venite igitur mecum, ut Aenea et Sibylla ducibus infera mundi arcana noscatis: miramini, horrete, gaudete!
 
 

Sommersemester 2001

Vorlesung: Ciceros politische Reden 2st., Mi 10-12 Uhr, HS 221

Vom Jahr seiner Prätur (66) bis zu seinem letzten Lebensjahr (43) ist Cicero, der zunächst als Prozessredner Karriere gemacht hatte, immer wieder auch im Senat und vor dem Volk als Redner aufgetreten und hat einen großen Teil dieser Reden nachträglich auch publiziert. Zwei Gruppen von je zwölf Reden hat er wegen ihrer überragenden historischen Bedeutung zu Redezyklen, nach dem Vorbild des Demosthenes, zusammengefasst: die Orationes consulares aus dem Jahr 63 und die (nach üblicher Zählung: 14) Orationes Philippicae der Jahre 44 und 43. Besonders sie, aber kaum weniger auch die übrigen, bieten neben dem rhetorischen Genuss, der sich beim größten lateinischen Stilisten aller Zeiten von selber versteht, einen einzigartigen, an Authenzität alle Geschichtswerke übertreffenden Zugang zu den erregendsten Jahren der ausgehenden römischen Republik: von der großen Zeit des Pompeius, für den sich Cicero in seiner ersten Volksrede einsetzt, bis zu dem politischen Senkrechtstarter Octavian, später Augustus, den Cicero in seinen letzten Reden publizistisch überhaupt erst aufgebaut hat - sehr zu seinem eigenen Schaden.
In der Vorlesung sollen sämtliche einschlägige Reden in zeitlicher Folge besprochen und dabei vor allem auch aus Ciceros Briefen als weiteren Primärdokumenten erläutert werden. Zugleich werde ich eine Einführung in die antike Rhetorik, speziell in die Theorie des genus deliberativum geben. Außer für Latinisten dürfte die Vorlesung, die die Darstellung von Ciceros Reden im neuen Handbuch der Lateinischen Literaturgeschichte von Herzog / Schmidt vorbereiten soll, vor allem auch für Althistoriker interessant sein.

Die beste bequem zugängliche Gesamtausgabe von Ciceros Reden ist immer noch die von A.C. Clark / W. Petersen in der Oxfordbibliothek (6 Bde., 1901-1911); als deutsche Übersetzung empfiehlt sich die von Manfred Fuhrmann (7 Bde., Zürich/Stuttgart 1970-1982, mit Einführung zu den einzelnen Reden und zu Cicero als Redner überhaupt). Den Politiker Cicero erschließen im übrigen: Matthias Gelzer, Cicero: ein biographischer Versuch, Wiesbaden 1969; Christian Habicht, Cicero der Politiker, München 1990 (überragende Skizze); Thomas N. Mitchell, Cicero: The Ascending Years, New Haven/London 1979 und ders, Cicero the Senior Statesman, New Haven/London 1991;  vgl. auch W. Stroh, "Ciceros demosthenische Redezyklen", MH 40, 1983, 35-50. Unübertroffen als lebendige Gesamtdarstellung der Persönlichkeit: Otto Plasberg, Cicero in seinen Werken und Briefen, Leipzig 1926 (Ndr.), zu empfehlen auch Marion Giebel, M.T. Cicero in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek b. Hamburg 1977.
(Weitere Literaturhinweise)
 

Vorlesung: De litterarum Latinarum historia II, 1 st., Di 12-13 Uhr, Raum 362 (Zeitschriftensaal des Instituts) 

Quoniam hieme praeterita eas tantum litteras tractare licebat, quae libera re publica et aetate Augusta scripta sunt, nunc rem longius persequi iuvabit, ut etiam de imperatoria aetate et ultimis antiquitatis temporibus agamus. Neque enim quicquam gratius quam de his rebus Latine disputare, ut nihil barbari atque absoni voluptatem illam in una antiqua lingua positam perturbet. Conabor autem et tenui oratione et simplici uti, praeterea lente atque accurate dicere, ut omnes omnia intellegant. Nam praeterito semestri cum non mediocri gaudio vidi non solum eos illas scholas frequentare, qui Latinis litteris operam darent, sed etiam nonnullos, qui aliis disciplinis atque artibus dediti essent. nempe eorum quoque aures facile assuescebant Latinorum verborum dulcedine.
 

Lateinisches Oberseminar: Cicero, Orationes Caesarianae, 2st., Di 15-17 Uhr, HS 386

Unter Orationes Caesarianae versteht man die drei kurzen Reden, die Cicero nach langer, politisch bedingter rhetorischer Abstinenz in den Jahren 46 und 45 unter dem Diktator Caesar für einige von dessen Bürgerkriegsgegnern (z. T. in prozessähnlichen Verfahren) gehalten hat: pro Marcello, pro Ligario und pro rege Deiotaro. Es sind anerkannte Kabinettstücke einer rhetorischen Kunst, die es verstand, in einer Zeit politischer Unfreiheit, die Interessen der eigenen, politisch missliebigen Freunde klug und erfolgreich, aber doch auch ohne Verlust der eigenen Würde, wahrzunehmen. Als Quellentexte für Caesars Politik in seinen letzten Jahren scheinen die Reden immer noch nicht voll erschlossen; aber auch Ciceros rhetorische Kunst in ihnen ist bisher wohl noch nicht zureichend gewürdigt worden.
Alle drei Reden sollen zumindest kursorisch durchinterpretiert werden. Schon bei einer ersten (unverbindlichen) Vorbesprechung am Donnerstag, 8. Februar, 14 Uhr (Zi. 459) können erste Referate übernommen werden. Sonst stehe ich in der vorlesungsfreien Zeit außer in der Feriensprechstunden sowohl telefonisch (089/2180-3421 mit Anrufbeantworter) als auch per e-mail (stroh@klassphil.uni-muenchen.de) zur Verfügung. Doch genügt zur persönlichen Anmeldung auch noch die erste Seminarsitzung. Eine Bibliografie wird spätestens zu Beginn des Semesters vorliegen.

Allgemeine Literatur zu Ciceros Reden ist oben zur Vorlesung angegeben; die Orationes Caesarianae finden sich im 2. Band der dort zitierten Oxfordausgabe. An Spezialkommentaren zu sämtlichen drei Reden sind immer noch wichtig die von Fr. Richter/A. Eberhard, Leipzig 4 1904 und W.Y. Fausset, Oxford 1906; vgl. jetzt H.C. Gotoff: Cicero’s Caesarian Speeches: A Stylistic Commentary, Chapel Hill/London 1993; sonst zu Marc.: M.Ruch, Paris 1965; zu Lig. und Deiot.: K. Halm/G. Laubmann, Berlin 10 1899; H. Nohl, Leipzig 1908. Zur Erläuterung: Ch. Neumeister: Grundsätze der forensischen Rhetorik gezeigt an Gerichtsreden Ciceros, München 1964, 46-55 (Lig.); G. Dobesch: "Politische Bemerkungen zu Ciceros Rede pro Marcello", Archäol. Studien 1 (Festschr. A. Betz), Wien 1985, 153-231; K. Bringmann: "Der Diktator Caesar als Richter? Zu Ciceros Reden 'Pro Ligario' und 'Pro rege Deiotaro', Hermes 114, 1986, 72-88; J. A. May, Trials of Character: The Eloquence of Ciceronian Ethos, Chapel Hill/London 1988, 140-148 (Lig.); R.R. Dyer: „Rhetoric and Intention in Cicero’s Pro Marcello“, JRS 80, 1990, 17-30; H. Botermann: „Die Generalabrechnung mit dem Tyrannen: Ciceros Rede für den König Deiotarus“, Gymnasium 99, 1992, 320-344; C. Loutsch: L’exorde dans les discours de Cicéron, Brüssel 1994, 387-406 (Lig.), 407-423 (Deiot.).
 

Neulateinisches Colloquium und Lektüre: Jacobus Balde, Jephtias, 2 st., Mo 15-17 Uhr, HS 386

Mit dieser Übung sollen die im Wintersemester unterbrochenen Übungen zu dem lateinischen Barockdichter Jacobus Balde (1604-1668) wieder aufgenommen werden. Es handelt sich dabei um den international wohl berühmtesten deutschen Dichter seines Jahrhunderts; dass sein Ruhm heute etwas verblasst ist, wenn er auch mitunter kräftig aufflackert, liegt nicht an der mangelnder ästhetischen Qualität seines Werks, sondern ausschließlich an der Sprache, die er geschrieben hat: ein kunstvolles und höchst differenziertes Latein. Zum Glück gehört seine einzige Tragödie 'Jephtias', die er zunächst in Ingolstadt aufgeführt (1637), dann aber für den Druck (1654) völlig neu bearbeitet hat - diese ebenfalls für die Bühne bestimmte und sogar mit Musiknoten versehene Zweitfassung ist bis heute noch nicht aufgeführt worden! - zu seinen sprachlich leichteren Werken. Im Gegensatz zu den anderen deutschen Jesuitendramatikern, den damals wirkungsreichsten Bühnendichtern überhaupt, versucht Balde, sein biblisches Drama ganz am klassischen Vorbild des Tragikers Seneca (mit 5 Akten, Chorliedern, Monodien, Botenberichten usw.) zu orientieren, wobei er nur das Format gigantisch übersteigert.
 Angesprochen von dieser Übung, durch die auch eine Uraufführung des Werks (evtl. in deutscher Sprache) vorbereitet werden soll, mögen sich nicht nur fortgeschrittene Studenten fühlen, sondern alle diejenigen, auch Studienanfänger, die Freude daran haben, auf wenig beackertem, aber höchst lohnendem Feld, selbständig zu arbeiten. Auch über den Besuch von Germanisten oder Theaterwissenschaftlern würden wir uns freuen. Für die (seit etwa zehn Jahren) zu Balde entstehenden Magisterarbeiten und Dissertationen steht nunmehr in den "Münchner Baldestudien" (des Herbert Utz-Verlags) ein bequemes Publikationsorgan zur Verfügung. Texte der Jephtias sollen von Anfang März an bei mir (Büro Zi. 461) erhältlich sein.

Literatur zu Balde erschließt man sich über die Bibliografie auf meiner Homepage (www.klassphil.uni-muenchen.de/~stroh/balde-bib.htm); bes. wichtig: G.Westermayer, Jacobus Balde: sein Leben und seine Werke, München 1868 (neu hrsg. v. H. Pörnbacher und W. Stroh, Amsterdam/Maarssen 1998). Die große Gesamtausgabe von 1729 und andere wichtige Werke (darunter eine maschinenschriftliche Versübersetzung der 'Jephtias' von Wolfgang Beitinger, Kaufbeuren) stehen in einem Spezialapparat der Institutsbibliothek zur Verfügung.
 

Colloquium Latinum: De Ovidi Artis amatoriae libro tertio, 2 st., Mo 14-15 Uhr, HS 386

Wie in den vergangenen Semestern, so sind auch diesmal Lateinstudenten (und sonstige Freunde der Sprache) willkommen, die nur zuhören wollen: aus manchem ursprünglich passiv Beteiligten ist bald ein begeisterter Lateinaktiver geworden!
Ovidi Artem amatoriam commendare vobis non necesse est. Agemus autem de tertio libro, in quo poeta suis artibus puellas instruit, quod is liber minus notus quam primus et secundus videtur. Sunt etiam qui credant Ovidium hic non puellarum commoda spectare, sed sic eos erudire, ut viris gratiores et faciliores sint. De talibus quaestionibus libentissime disputabimus. Ergo quam plurimi venite!
 

Wintersemester 2000/1

Vorlesung: Senecas Tragödien, Mi 10-12 Uhr, Beginn 18.10.2000

Die zehn Tragödien, die unter dem Namen des Philosophen Seneca überliefert sind und von denen acht mit Sicherheit als echt gelten, haben auf das Drama der frühen Neuzeit - zu nennen sind vor allem die Namen Shakespeare, Racine und Gryphius - einen tiefen Einfluss ausgeübt; in Julius Caesar Scaligers maßgeblicher Poetik (1561) wurde der Tragiker Seneca sogar über Euripides gestellt. Im späten achtzehnten und vor allem im neunzehnten Jahrhundert beginnt man dann aber seine Stücke als formlos und „rhetorisch“ abzuwerten, wobei sich (seit August Wilhelm von Schlegel) die Ansicht durchsetzt, sie seien überhaupt nicht für das Theater,sondern nur für die Rezitation (oder gar den Vortrag in der Rhetorenschule!) bestimmt gewesen. So spielt er lange Zeit keine Rolle mehr auf der Bühne.
Erst in neuester Zeit begannen sich einzelne Dramatiker (wie Anouilh und Artaud) wieder auf ihn zu besinnen. Einzelne Wiederaufführungen - darunter auch ein Münchner Versuch (1993) - haben den Bühnencharakter der Tragödien schlagend erwiesen. Und vor allem hat sich die philologische Wissenschaft in den letzten dreißig Jahren mit zunehmender Hingabe diesen Werken gewidmet, was sich auch in einer Reihe vorzüglicher Kommentare niedergeschlagen hat. Diskutiert wird dabei neben dem Problem des Szenischen, das Verhältnis zur griechischen Tragödie und, ganz besonders, zur stoischen Philosophie: Sollen Senecas Tragödien der Ilustration bzw. Vermittlung dieser Weltsicht dienen oder sind sie im Gegenteil - wie neuerdings argumentiert wurde - eine glatte Negation der stoischen Lehre?
In der Vorlesung werde ich sowohl die allgemeinen Probleme diskutieren als auch einen interpretierenden Überblick über sämtliche Stücke geben.

Text:
Otto Zwierlein, Oxford (OT) 1986

Literatur: Bibliografie
J(ulius) L. Klein: Geschichte des griechischen und römischen Drama‘s, Bd. 2, 1874 
Otto Regenbogen: „Schmerz und Tod in den Tragödien Senecas“ (1931), ²1963
Otto Zwierlein: Die Rezitationsdramen Senecas, 1966
Eckard Lefèvre (Hg.): Senecas Tragödien, 1972 (Sammelbd.)
Joachim Dingel: Seneca und die Dichtung, 1974
Norman T. Pratt: Seneca‘s drama, 1983
Karlheinz Töchterle (Komm.): Seneca, Oedipus, 1994 (mit allgem. Einführung)
Barbara Breitenberger / Wilfried Stroh: „Inszenierung Senecas“, in: Orchestra (Festschr. H. Flashar), 1994, 248-269
 

Vorlesung: De litterarum Latinarum historia, Di 14-15, Beginn 17.10.2000

Quid iucundius quam litteras Latinas a Romulo usque ad nostra tempora percensere? Quamquam hoc semestri plurimum in litteris antiquis versabimur: Ciceronis, Sallusti, Vergili, Horatii, multorum aliorum scripta explicabo et enarrabo idque facere conabor sermone quam simplicissimo, ut omnes intellegant auresque assuefaciant linguae dulcissimae. Patent hae scholae etiam gymnasiorum discipulis et magistris, si qui tamquam hospites nos visere voluerint.
 

Lat. Hauptseminar: Senecas Phaedra, Di 15-17 Uhr, Beginn 17.10.2000

Seneca ist unseres Wissens der erste Römer, der es gewagt hat, ein erotisches Thema auf die tragische Bühne zu bringen. Da seine einstmals berühmte Schrift De matrimonio verloren gegangen ist, gibt die Phaedra uns das wichtigste Zeugnis für seine Auseinandersetzung mit den Problemkreisen von Frau und Liebe. In diesem Zusammenhang hat er das für ihn vorbildliche Drama des Euripides (Hippolytos) in offenbar revolutionärer Weise umgestaltet: Die Szene, in der sich die attische Königin Phaedra ihrem Stiefsohn auf offener Bühne an den Hals wirft, gehört unter Kennern seit über hundert Jahren zu den dramatischen Perlen der Antike (W. H. Fredrich: „atemberaubend, ein echtes Stück Weltliteratur“). Im Seminar soll das ganze Stück fortlaufend interpretiert (und dabei auch mit Euripides verglichen) werden. Besonderes Augenmerk wird dabei dem Verhältnis zur stoischen Affektlehre gelten. Kenntnisse in (stoischer) Philosophie und griechischer Literatur sind erwünscht, aber nicht erfordert. Die im Seminar gewonnenen Erkenntnisse sollen sich auch in einem geplanten neuen Kommentar (der in deutscher Sprache noch nicht vorhanden ist)
niederschlagen. Eine (unverbindliche) Vorbesprechung fand am Freitag, 28. 7., in meinem Dienstzimmer (459) statt. Dabei wurden schon einige wenige Referate übernommen. Ein Seminarplan hängt auch am Schwarzen Brett aus. Handschriftliche Eintragungen dort sind möglich und erwünscht. 

Literatur und Text: s. oben zur Vorlesung „Senecas Tragödien“
Spezialkommentare: 
A. J. Boyle, Liverpool / Wolfeboro 1987
Cesidio de Meo, Bologna 1990
Michael Coffey / Roland Mayer, Cambridge u. a. 1990
Spezialliteratur:
Wolf Hartmut Friedrich: Euripides und Diphilos, 1953
Hans Herter: „Phaidra in griechischer und römischer Gestalt“, RhM 114, 1971, 44-77
Charles Segal: Language and desire in Seneca‘s Phaedra, 1986
Jens-Uwe Schmidt: „Phaedra und der Einfluss ihrer Amme“, Philologus139, 1995, 274-323
 

Übung (auf der Stufe des Oberseminars) zur Interpretation lateinischer Texte
2 std., Mo 15-17, Beginn 16.10.2000

Die Übung dient der Vorbereitung auf die Interpretationsklausur des Staatsexamens. Ordentlich teilnehmen können nur diejenigen, die unmittelbar vor dem Staatsexamen stehen und noch keinen derartigen Kurs (als ordentliche Teilnehmer) besucht haben. Sonst sind Gäste willkommen.
Die Reihenfolge der behandelten Texte folgt etwa dem Plan meiner Vorlesung De litterarum Latinarum historia. Vier(!)-stündige Klausuren, soweit möglich, unter den Bedingungen des Staatsexamens, werden geschrieben am 30. 10. 2000; 27. 11 .2000; 18.12. 2000; 30. 1. 2001.
Ich bitte die ordentlichen Teilnehmer, sich diese Tage vorzumerken.
 

Colloquium Latinum, Mo 14-15 Uhr

Wiederum wie in den vergangenen Semestern soll die Teilnahme am Colloquium auch den Studenten offen stehen, die nur zuhören wollen. Es ist besonders auch für Studienanfänger gedacht, die sich auf diese Weise einen einfachen und natürlichen Zugang zur lateinischen Sprache verschaffen können. In den behandelten Texten, die in Kopien verteilt werden, folge ich dem Gang der Vorlesung De litterarum Latinarum historia, deren Besuch bei den Teilnehmern aber nicht vorausgesetzt wird.
Licebit igitur vobis, si vultis, omnem seriem Latinarum litterarum, omnia earum tempora sive aetates et audiendo et legendo et disputando percurrere. Quare vos hortor ut quam plurimi veniatis et mecum singulari fruamini voluptate, quae etiam ex scriptoribus rarius in gymnasio tractatis capi potest, ut  Plauto, Terentio, etiam e Christianis, ut Hieronymo aut Augustino.
Delicias iucundissimas ipsas proponere vobis in animo est. 
Valete!
 
 

Sommersemester 2000

Vorlesung: Die erotische Dichtung der Antike, 2st., Mi 10-12 Uhr

Neben Aphrodite, die Patronin der vor allem körperlichen Liebeserfüllung, tritt in der griechischen Religion ihr weniger friedlicher Sohn: Eros mit dem Bogen, der aus dem Hinterhalt Treffende, Sinnverwirrende, Unheilstiftende. Er hat, mehr noch als seine Muter, Dichter und Denker beschäftigt; ihn hat Platon zum philosophischen Dämon veredelt; ihm hat angeblich das Christentum „Gift zu trinken gegeben“, wovon er sich, laut Nietzsche, nicht mehr erholt hat. Er also, den die Römer teils als Amor, teils als Cupido – nicht ohne Widerstreben – bei sich eingebürgert haben, soll auch der Held dieser Vorlesung sein.
 Ich werde mich bemühen einen Gesamtüberblick über das Gebiet der erotischen Dichtung von Homer bis zur römischen Kaiserzeit zu geben (also nicht etwa nur Lyrik und Elegie bzw. Epigramm, sondern auch Epos und Drama behandeln); dabei soll auch in die für die erotische Kultur der Antike grundlegenden Phänomene wie Päderastie, Hetären- und Libertinenwesen eingeführt werden. Gedacht ist die Vorlesung, die etwa zur Hälfte der griechischen Literatur gewidmet sein wird, in erster Linie für Latinisten, die ihre Beschäftigung mit der römischen Komödie sowie Catull und der Elegie auf eine breitere literatur- und kulturhistorische Grundlage stellen wollen.

Literatur:
Kenneth J. Dover: Greek homosexuality . Harvard UP, Cambridge, Mass. 1978 (auch in deutscher Übers.)
Michel Foucault: Histoire de la sexualité , Bd.2: L’usage des plaisirs; Bd.3: Le souci de soi , Paris 1984 (dt.: Der Gebrauch der Lüste, Die Sorge um sich , Frankfurt/M. 1986)
Albin Lesky: Vom Eros der Hellenen , Göttingen 1976
Eckard Meyer-Zwiffelhoffer: Im Zeichen des Phallus: die Ordnung des Geschlechtslebens im antiken Rom, Frankfurt / New York 1995
R.O.A.M.Lyne: The Latin love poets from Catullus to Horace, Oxford 1980
 

Lateinisches Proseminar: Catull, 3st., Di 15.00 s.t. – 17.15 Uhr

Catull ist ein Autor wie geschaffen für das lateinische Proseminar! Nicht nur bietet er in allen Teilen seines Werks faszinierende Lektüre; er steht in so vielfältigem Zusammenhang mit den verschiedensten literarischen Traditionen, dass die Beschäftigung mit ihm fast eine Einführung in die gesamte antike Dichtung bietet. 
 In dieser Übung soll das Werk möglichst umfassend behandelt werden, wobei, der Aufgabe des Proseminars entsprechend, ein besonderer Nachdruck auf Metrik und Textkritik liegen wird. Vorausssetzung der Teilnahme ist der Besitz einer kritischen Ausgabe.
 Eine (unverbindliche) Vorbesprechung, bei der eventuell auch schon Referate übernommen werden können findet am 24. Februar, 14 Uhr s.t. in meinem Dienstzimmer (459) statt.

Literatur:
R.A.B.Mynors (Hrsg.): C. Valerii Catulli carmina , Oxford (CT)1958 [Ndr.]
Wilhelm Kroll (Komm.): C. Valerius Catullus , Stuttgart (Teubner) ³1959 (bes. zu empfehlen)
Hans Peter Syndikus: Catull: eine Interpretation , 3 Bde., Darmstadt 1984-1990 (Gesamtkommentar)
Jan-Wilhelm Beck: ‚Lesbia‘ und ‚Juventius‘: zwei libelli im Corpus Catullianum, Göttingen 1995 (erschließt neuere Lit.)
Arthur Leslie Wheeler: Catullus and the traditions of ancient poetry, Univ. of California Press 1934 (Ndr. Paperback 1964)
T.P. Wiseman: Catullus and his world – a reappraisal , Cambridge UP 1985
 

Lektüre und Colloquium: Jacobus Balde: Satyra contra abusum tabaci (1657), Mo 15-17 Uhr

Es geht um ein Pionierwerk der Nichtraucherbewegung, eine der berühmtesten Satiren des in seinem Jahrhundert vielgefeierten Dichters: Unter dem Titel „Die Truckene Trunkenheit“ wurde sie schon ein Jahr später (1658) von Sigmund von Birken ins Deutsche übersetzt; in der Vorrede dazu findet sich zum ersten Mal der Ehrentitel, der Balde seitdem geblieben ist: Germanus Horatius, „Deutscher Horaz“.
 Die Beschäftigung mit Balde bietet die Gelegenheit, sich mit Literatur höchsten Niveaus beschäftigen zu können, ohne sich dabei viel mit gelehrter Literatur herumschlagen zu müssen. Baldes Riesenwerk ist auch nach zweihundert Jahren der Forschung (seit der Wiederentdeckung des Dichters durch Johann Gottfried Herder) noch immer nur ungenügend erschlossen. Neugierige und wagemutige Studenten, auch gerade schon Studienanfänger, finden hier ein dankbares Forschungsgebiet, auf dem leicht auch, wie mittlerweile viele Beispiele zeigen,  Magister- und Doktorarbeiten entstehen können. In den seit dem letzten Jahr erscheinenden „Münchner Baldestudien“ steht nun auch ein bequemes Publikationsorgan zur Verfügung.
 Selbstverständlich ist die Übung auch für diejenigen geeignet, die in Balde nur einmal hineinschnuppern wollen. In der Übung kann (im Hinblick auf die Zwischenprüfung) ein normaler Lektüreschein erworben werden. Nichtraucher wie Raucher sind gleichermaßen zugelassen. Besonders sind auch Germanisten willkommen. Texte sollen schon vom Ende des Wintersemesters an zur Verfügung stehen.

Literatur:
J. Balde: Opera poetica omnia , München 1729, Bd. 4, 438-468
J. Balde / S. v. Birken: Truckene Trunkenkeit (lat./dt.) , Ndr. hrsg. v. Karl Pörnbacher, München 1967 
Ian D. McFarlane: „Tobacco – a subject for poetry“ , in: D. H. Green u. a.(Hrsg.), From Wolfram and Petrarch to Goethe and Grass (Festschr. L. Foster), Baden-Baden 1982, 427-441
Georg Westermayer: Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke, München 1968, neu hrsg. v. H. Pörnbacher / W. Stroh, Amsterdam & Maarssen 1998 (zur allgem. Einführung)
 

Colloquium Latinum: De T. Livi libro primo. 1st., Mo 14-15 Uhr

Wie in den vergangenen Semestern sind auch diesmal Studenten zugelassen, die nur zuhören und ihr Hörverständnis trainieren wollen. Besonders auch Studienanfänger sollten sich angesprochen fühlen und das Colloquium Latinum als bequemsten und natürlichsten Weg zur Vertrautheit mit der lateinischen Sprache nutzen.
Mihi certe nihil iucundius erit, quam vobiscum, sodales, T. Livio duce historiam Romanorum a prima origine recensere: quam iuvabit bellare cum Romulo, deos placare cum Numa, reges expellere cum Bruto! venite et gaudete!
 

 

Lehrveranstaltungen

 
 

Wintersemester 1999/2000

    Vorlesung: Seneca, 2 st., Mi. 10-12 Uhr, Beginn 3.11. 1999 

    Lateinisches Hauptseminar: Cicero, Pro Milone, 3 st., Di. 15 s.t.-17.15 Uhr, Beginn 2.11. 1999 

    Übungen zur Interpretation lateinischer Texte
    (auf der Stufe des Oberseminars), 2 st., Mo. 15-17 Uhr, Beginn 8.11. 1999 

    Colloquium Latinum: De Vergili Aeneidis libro secundo, Mo. 14-15 Uhr, Beginn 8.11. 1999

Sommersemester 1999

    Vorlesung: Lateinische Metrik, 2 st., Mi. 10-12 Uhr 

    Oberseminar: Terentianus Maurus, De metris, 2 st., Di. 15-17 Uhr 

    Colloquium und Lektüre: Jacobus Balde, Regnum poetarum (1628), 2 st., Mo. 15-17 Uhr 

    Übungen zur lateinischen Metrik, 1 st., Di. 17-18 Uhr 

    Colloquium Latinum: De Ciceronis Oratore, 1 st., Mo. 14-15 Uhr